Die Märwilerin Michal Stüssy von der Organisation «Wolf Ja Bitte», warnt davor, den
Wolf, der in der Region rund um Wil unterwegs, ist voreilig abzuschiessen. Denn er bringe
auch Vorteile mit sich.
1/1 Die Märwilerin Michal Stüssy von der Organisation «Wolf Ja Bitte», warnt davor, den Wolf, der in der Region rund um Wil unterwegs, ist voreilig abzuschiessen. Denn er bringe auch Vorteile mit sich.
13.02.2020 06:55

Wolf in Wil und Umgebung: Aktivisten fordern besseren Herdenschutz statt voreiligem Abschuss

Ein Wolf hat in Zuckenriet vergangenes Wochenende drei Schafe getötet und fünf verletzt. Eine Woche zuvor hat es in Rossrüti einen Angriff gegeben. Die Märwilerin Michal Stüssy von der Organisation «Wolf Ja Bitte» warnt nun vor überstürztem Handeln. Der Wolf bringe auch Vorteile mit sich.

Region «Ich mach mir Sorgen um den Wolf.» Die Märwilerin Michal Stüssy von der Organisation «Wolf Ja Bitte», die sich für den Wolf in der Schweiz einsetzt, liest die Nachrichten über die jüngsten Sichtungen und Angriffe eines Wolfes in der Region mit geteilten Gefühlen. Vor einer Woche hatte ein Wolf in Rosrüti ein Schaf gerissen. Anwohner berichteten damals von Begegnungen mit dem Tier (WN vom 6. Februar: «Gerissenes Schaf in Rossrüti – Wuppenauerin begegnet Wolf»). Politiker forderten darauf, dass der Kanton St.Gallen Pläne macht, wie mit dem Wolf umzugehen sei. Wie der Kanton mitteilt, ist es am vergangenen Wochenende zu einem erneuten Angriff gekommen. Ein Wolf hat in Zuckenriet drei Schafe getötet und fünf weitere verletzt. Gemäss Mitteilung dürfte es sich um das gleiche Tier handeln. Stüssy versteht den Unmut der Bauern, die ein Schaf verloren haben, «aber ich weiss auch, wie die Leute reagieren. Der Wolf ist seit Rotkäppchen verteufelt und ich befürchte, dass er nun voreilig abgeschossen werden könnte.» Sie warnt vor übereifrigem Handeln und vor Panik. Der Wolf sei für den Menschen praktisch ungefährlich. «Es werden jährlich mehr Menschen bei Jagdunfällen verletzt.»

Nur bei Herdenschutz zahlen

Ab 25 gerissenen Tieren pro Monat gilt ein Wolf als «Problemwolf» und könnte zum Abschuss reigegeben werden. So die kantonale Regelung. Der Begriff «Problemwolf» stört Stüssy aber sehr. Das Problem liege viel mehr in der Politik und im Herdenschutz. Der Bund müsse Herdenschutzmassnahmen fördern, findet sie. Beispielsweise, indem Kompensationszahlungen für getötete Schafe und andere Tiere nur noch dann erfolgen, wenn der Landwirte über Herdenschutzmassnahmen verfügt. Als die effektivsten Herdenschutzmassnahmen nennt Stüssy Elektrozäune und Schutzhunde, die speziell ausgebildet wurden. «Erfahrungen gerade mit Herdenschutzhunden in anderen Regionen und Kanton haben gezeigt, dass die Wolfsrisse praktisch auf null zurückgegangen sind», erzählt die Märwilerin. «Grundsätzlich sollte gelten, dass wir unsere Herden schützen, statt einfach den Wolf abzuschiessen.»

«Wolf hilft mit bei Regulierung»

Mit dem Wolf zu leben sei schwierig, das räumt sie ein. Die Regionum Wil sei zu dicht besiedelt. «Es ist schwierig, aber nicht unmöglich. » Und der Wolf bringe sogar Vorteile mit sich. «Auch wenn man viel von gerissenen Schafen liest, der Wolf ernährt sich hauptsächlich von Wild. Und dabei hilft er mit, die Wildbestände zu regulieren.» In der Region gäbe es viel Wild, die Jäger müssten jedes Jahr viele Tiere schiessen, weiss Stüssy. «Der Wolf hilft dabei mit, indem er kranke und schwache Tiere aus den Herden entfernt. So reguliert sich der Bestand und er hilft, dass sich Krankheiten nicht weiter verbreiten», erklärt sie. Sie befürchtet aber, dass diese Argumente nicht viel bringen und die Angst vor dem Raubtier in der Bevölkerung zu gross ist. «Ich befürchte, dass man den Wolf irgendwann einfach klammheimlich abknallt.» Sie hoffe aber, dass es nicht so weit kommt und sie will sich mit der Organisation «Wolf Ja Bitte » für die Aufklärung über das Tier einsetzten. Stüssy appelliert an die Bevölkerung und Politik, den Wolf möglichst in Ruhe zu lassen. «Lässt man ihn, so ist es gut möglich, dass er einfach wieder weiterzieht.»

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