Irene Baumann vom Rössli Flawil.
1/2 Irene Baumann vom Rössli Flawil.
Irene Baumann vom Rössli Flawil.
2/2 Irene Baumann vom Rössli Flawil.
19.03.2020 06:55

«Wir hatten 90 Prozent Übernachtungseinbussen»

Die Auswirkungen des Coronavirus treffen die Gastrobetriebe hart – auch das «Rössli» in Flawil. Doch die Pächterin Irene Baumann tut alles, um den Schaden möglichst gering zu halten.

FlawilIrene Baumann, welche Auswirkungen hatte das Coronavirus auf Ihr Geschäft?

Wir spüren den Einbruch seit Januar. Unsere Region hat oft Gäste aus dem asiatischen Raum; diese fehlen seit Jahresbeginn. Wir konnten diese Buchungen aber grossmehrheitlich auffangen.

Wann wurde die Situation kritisch?

Am vergangenen Freitag hat sich unser Buchungsstand innert zwei Stunden aufgelöst. Es ist drastisch, wie schnell das geht.

Welche Einbussen gab es bei den Übernachtungen?

Bis kurz vor dem Lockdown waren es 90 Prozent.

Welche Sicherheitsmassnahmen treffen Sie im «Rössli»?

Im Hotel muss ich keine Massnahmen mehr treffen, es gibt nur wenige oder sogar keine Gäste. Alle unsere Zimmer verfügen über einen Anti-Allergie-Standard, das heisst, auch ohne Coronavirus ist uns ein hoher Hygienestandard sehr wichtig.

Anfang Woche mussten Sie Ihren Betrieb einstellen. Wie geht es nun weiter?

Ja, nun ist es also Tatsache, das Restaurant ist geschlossen. Das Hotel können wir zwar weiter betreiben, aber da gibt es ganz wenig bis keine Gäste, somit macht das nur sehr bedingt Sinn. Wir sind aber auch noch Caterer für Schulen und Maestrani.

Das heisst?

Die Schule unterhält einen Notfallplan für Kinder, welche nicht zuhause betreut werden können. Und die Schokoladenfabrik Maestrani zählt schon länger mit ihrer Mitarbeiter- Kantine zu unseren Kunden, somit stellen wir den Service auch in der Krisenzeit zur Verfügung. Diese beiden Einrichtungen laufen aktuell auf Minimal-Betrieb.

Wie versuchen Sie sich nun für die Zukunft zu wappnen?

Ich versuche Firmen, welche täglich bei uns Mittag essen, ebenfalls mit den gleichen Menus zu beliefern. Wir verfügen über die notwendigen Thermoboxen und über die Transportorganisation. Es macht jedoch keinen Sinn, das mit der gesamten Küchen-Crew zu bewältigen. Wir haben deshalb für unsere Mitarbeiter Kurzarbeit eingereicht.

Ist dies für alle Mitarbeiter umsetzbar?

Nein, als Selbstständige habe ich keinen Anspruch auf diese Leistung. Auch unsere Lernenden sind nicht berechtigt. Somit müssen wir kreativ werden. Zusammen mit den drei Lernenden in der Küche bewerkstellige ich von Montag bis Freitag im Rahmen eines Projektes die Versorgung unserer Catering-Kunden. Mit den Lernenden im Restaurationsbereich räumen wir aktuell alles auf und machen unseren Betrieb «ferienfertig.» Auch im Büro habe ich zurzeit viel zu tun.

Was ist Ihr Ziel für die nächste Zeit?

Mein Ziel ist es, mit möglichst wenig Schaden über die Runden zu kommen.

Darina Schweizer