12.02.2020 15:13

Wilder Wolf

In den vergangenen Wochen hat ein Wolf die Kantone TG und SG durchstreift und seine Spuren hinterlassen. Das hat für Aufregung gesorgt. Fakt ist: Werden Schafe vom Wolf gerissen, ist das für den betroffenen Schafhalter zwar kein finanzieller Schaden – er wird dafür entschädigt – jedoch ein sehr unschöner Anblick und löst verständlicherweise grosse Betroffenheit aus. Fakt ist aber auch, Wölfe sind keine Veganer sondern ernähren sich hauptsächlich von Wildtieren und ab und zu von Schafen. Denn sie holen sich das, was sie am leichtesten bekommen. Sie folgen damit uns Menschen. Wir holen unser Schweinsfilet auch beim Metzger und nicht mehr mit Pfeil und Bogen mühsam im Wald. Kantonsrat und Bio-Landwirt Sepp Sennhauser aus Rossrüti weiss das offenbar nicht, sonst hätte er nicht aktiv werden und den Regierungsrat mit einer Interpellation zum Thema Wolf «belästigen» (das Wolfsmanagement ist Bundessache!) müssen. Doch bald sind eben Wahlen. Von einem Bio-Bauern sollte man auch erwarten dürfen, dass er die Bedeutung der Artenvielfalt für unser Leben kennt. Dazu gehören nicht nur Bienen und Marienkäfer, sondern auch Grossraubtiere. Dass Sennhauser letzteren ihre Daseinsberechtigung abspricht – «der Wolf hat keinen Platz» – stimmt nicht nur nachdenklich, sondern ist falsch. Denn alleine schon die Anwesenheit von 60 bis 70 Wölfen in der Schweiz zeigt, dass sie durchaus Platz haben und sich offenbar auch wohlfühlen. Tröstlich der Schlusssatz von Redaktor Marc Sieger: «Mit dem Gewehr in der Hand haben sich Probleme noch nie lösen lassen.» Hoffentlich hat das Sennhauser auch gelesen.

Martin Ebner, Tuttwil