Felix Räbsamen ist speziell durch das Coronavirus gefährdet. Da er mit einer künstlichen Blase lebt und nachts alle paar Stunden Wasser lassen muss, ist sein Immunsystem stark geschwächt. Das Virus wäre für ihn gefährlich. Einschüchtern lassen will er sich davon aber nicht. mas
1/1 Felix Räbsamen ist speziell durch das Coronavirus gefährdet. Da er mit einer künstlichen Blase lebt und nachts alle paar Stunden Wasser lassen muss, ist sein Immunsystem stark geschwächt. Das Virus wäre für ihn gefährlich. Einschüchtern lassen will er sich davon aber nicht. mas
19.03.2020 06:55

«Wegen Schlafmangel ist das Immunsystem im Keller»

Felix Räbsamen ist ein Risikopatient. Weil er seit einer missglückten Operation mit einer künstlichen Blase lebt, ist er besonders gefährdet durch das Coronavirus. Der Wiler lässt sich aber nicht einschüchtern. Durch seine Umstände lebt er schon lange mit scharfen Hygienevorschriften.

Wil Beim Eingang der Velo Schür in Wil, die Felix Räbsamen betreibt, steht eine Flasche Desinfektionsspray. «30 Sekunden einreiben», erklärt Räbsamen. An Räbsamens Arbeitsplatz steht die Flasche schon lange und nicht erst seit Ausbruch der Corona-Krise. Der Wiler muss seit Jahren scharfe Hygienevorschriften befolgen. Dies seit einer misslungenen Operation wegen Prostatakrebs. Dabei kam es zu einer Überbestrahlung mit radioaktiven Substanzen. Seither lebt Räbsamen mit einer künstlichen Blase. Über einen Katheter durch den Bauchnabel muss er diese leeren – dies alle drei bis vier Stunden, auch nachts. «Durch den Schlafmangel ist mein Immunsystem stark geschwächt», erzählt Räbsamen. Darum gilt er als Risikopatient und besonders gefährdet durch das Coronavirus. «Dazu, dass das Immunsystem geschwächt ist, kommt, dass ich im Falle einer Infektion zuerst an der Blase operiert werden müsste, wegen dem Katheter», erklärt er. Dabei wird das Immunsystem noch weiter geschwächt und Räbsamen würde zur Viruserkrankung auch noch anfälliger für bakterielle Infekte werden.

«Muss nun noch mehr aufpassen»

Es ist eine vertrackte Situation. Räbsamen lässt sich aber nicht einschüchtern oder aus der Ruhe bringen. «Ich musste schon immer speziell auf mich schauen und Hygienevorschriften befolgen. Ich kenne das ja eigentlich alles schon. Nun muss ich einfach noch etwas mehr aufpassen.» Konkret heisst das: Abstand halten zu Kunden oder das Desinfizieren von oft angefassten Flächen – etwa die Velogriffe der Bikes in seinem Geschäft – oder, dass er in öffentlichen Räumen, wie etwa Banken, möglichst wenig berührt. Von der Selbstisolation hält der 64-Jährige nicht so viel. Er schaue ohnehin bereits, dass er nicht zu eng in Kontakt mit anderen komme. «Das macht für mich nicht so einen grossen Unterschied.»

Spritzen aus Italien

Trotzdem beschäftigt die Corona-Krise Räbsamen. So werden spezielle Spritzen, die er für seinen Katheter braucht, aus Italien geliefert. Er habe sich noch einen Vorrat anschaffen können, erzählt Räbsamen. Fallen diese Lieferungen wegen des Virus aus, so könne sich das zu einem Problem entwickeln. Mühsam finde er aber auch, dass soziale Kontakte auf der Strecke bleiben. «Man darf Leuten, die man gerne hat, nicht mehr zu nahe kommen, das nervt schon.» Er störe sich aber auch an Leuten, die die Situation nicht ernst nehmen würden. «Es regt mich auf, wenn sich Leute nicht an die Regeln halten und glauben, die Krise sei schnell wieder vorbei. Das gefährdet andere und wir wissen ja nicht, was noch kommt.»

Marc Sieger