Direkt neben der Theke in seiner Metzgerei in Oberuzwil hat Daniel Bösch eine Holzuhr
vom eidgenössischen Schwingfest letztes Jahr in Zug aufgehängt.
1/1 Direkt neben der Theke in seiner Metzgerei in Oberuzwil hat Daniel Bösch eine Holzuhr vom eidgenössischen Schwingfest letztes Jahr in Zug aufgehängt.
05.03.2020 08:00

Wegen Metzgerei: Daniel Bösch hängt seine Zwilchhose an den Nagel

Unspunnensieger, dreifacher Eidgenosse, 23-facher Kranzfestsieger und Gewinner von 106 Kränzen: Daniel Bösch hat über Jahre den Schwingsport dominiert. Nun der überraschende Rücktritt. Nach dem Toggenburger Verbandsschwingfest am 26. April ist Schluss.

SchwingenKeine grosse Pressekonferenz. Ihren Rücktritt haben Sie auf Social Media bekannt gegeben, warum genau da?

So habe ich die Menschen erreicht, die mir am nächsten sind.

Welche Rolle spielt Social Media sonst in Ihrem Leben?

Ich nutze die Plattformen ab und zu. Vor allem fürs Schwingen und jetzt für meine Metzgerei.

Unspunnensieger, dreifacher Eidgenosse, 23-facher Kranzfestsieger und Gewinner von 106 Kränze. Erinnert man sich da noch an jeden Erfolg?

Wenn ich mir zuhause die Kränze anschaue, erinnere ich mich gut an die Siege.

Welcher dieser Erfolge hat am meisten Schweiss gekostet?

Der Aufbau den ganzen Winter lang ist hart, genauso wie die Saison selbst. Genau sagen kann ich nicht, welcher Erfolg am meisten Schweiss gekostet hat. Ich habe mich über alle Siege gefreut. Doppelt über die Siege bei den Kranzfesten.

Was in der Aufzählung fehlt, ist der Titel des Schwingerkönig. Was hat gefehlt?

Wenn ich das wüsste, hätte ich es letztes Jahr wohl geschafft. Nein, es ist ein Quäntchen Glück, was es braucht und dass man am Tag X gut vorbereitet ist.

Sie sind 31 Jahre alt. 2022 hätten Sie am Eidgenössische Schwing- und Älplerfest 2022 in Pratteln noch einmal nach dem Königstitel greifen können. Warum war das keine Option?

Ich habe mir für letztes Jahr viele Ziele gesetzt und auch erreicht. Im Herbst habe ich angefangen zu trainieren. Es ist auch gut gelaufen, doch seit Anfang des Jahres komme ich nicht auf die Trainingsstunden die ich brauchen würde, um mit den jungen Schwingern mitzuhalten.

Stefan Burkhalter ist 45 Jahre alt und er schwingt immer noch .

Am Alter liegt es nicht. Es ist die Metzgerei. Sie war ein Jahr lang geschlossen und jetzt fordert sie mehr Zeit. Am Wochenende schwingen braucht zu viel Zeit und Energie. Ich möchte zudem Zeit mit meiner Frau verbringen.

2013 verpassten Sie das «Eidgenössische» von Burgdorf wegen eines Kreuzbandrisses. Wie «kaputt» ist Ihr Körper nach der langen Karriere?

Fragen sie mich in zehn Jahren nochmals. Ich fühle mich gut, es tut mir nichts weh. Ich kann nicht sagen, ob es noch Abnutzungserscheinungen gibt.

Am 26. April bestreiten Sie mit dem Toggenburger Verbandsschwingfest in Jonschwil das letzte Fest Ihrer Karriere. Warum haben Sie sich entschieden, genau da abzutreten?

Ich habe mir überlegt welches das beste Fest für das letzte Schwingfest ist. Ich habe mich für das Toggenburger Fest entschieden, da der Club Wil dazu gehört. Ein Abschluss im eigenen Verband ist schön.

Was wollen Sie an diesem letzten Fest in Jonschwil erreichen?

Ich will das Fest in Jonschwil mit meinen Schwinger Kollegen geniessen können.

Schwingen hat in den letzten Jahren einen Boom erlebt. Wo steht der Sport heute im Vergleich zum Start Ihrer Karriere?

Als ich angefangen habe, sagte man in der Schule: Sieh, der «Buurebueb» schwinget. Man ist belächelt worden. Heute sagt man, dass es eine schöne, traditionelle Sportart ist. Es ist schön, dass der Sport mehr Aufmerksamkeit bekommt. Die Beliebtheit hat den ganzen Sport verändert.

Was muss sich noch verbessern?

Fragen sie mich in fünf Jahren noch mal. Man hat immer das Gefühl, jetzt ist gut. Doch dann kommt immer noch ein (Fort-)Schritt.

Statt im Sägemehl stehen Sie nun in Ihrer eigenen Metzgerei in Oberbüren. Wie lange haben Sie davon geträumt?

Ich wünsche mir das schon seit längerem. Deswegen habe ich mich auch weitergebildet als Betriebsleiter Fleischwirtschaft und die Unternehmungsschulung gemacht. Jetzt fehlt nur noch der Meistertitel.

Die Veganer und die Vegetarier sind auf dem Vormarsch. Warum braucht es Ihre Metzgerei?

Klar sind sie auf dem Vormarsch. Doch der Mensch ist schon lange Fleischesser, was sich nicht so schnell ändern wird. Für das Dorfleben ist es auch schön. Die Metzgerei komplementiert zusammen mit den anderen Läden das Dorfbild von Oberbüren.

Dem Schwingsport kehren Sie noch nicht ganz den Rücken, Sie sind Technischer Leiter des Schwingclub Wil. Gibt es da schon einen nächsten Bösch?

Ich hoffe immer, dass der Nachwuchs seine eigenen Fussstapfen macht und nicht in meine treten. Ich kann ihnen meine Technik beibringen und ihnen einen «Schupf» in die richtige Richtung geben. Schluss- endlich müssen sie aber selber im Ring stehen.

Wie waren die Reaktionen auf den Rücktritt innerhalb des Verbands und auch im persönlichen Umfeld?

Die meisten fanden es schade. Aber es ist durchaus auch Verständnis da. Wegen der Metzgerei ist vielen bewusst, das dies meine Zeit beansprucht. Jede Karriere ist irgendwann vorbei.

Mit welchen Schwingern werden Sie auch nach Ihrer Karriere Kontakt halten?

Die Freunde, die ich beim Schwingen gefunden habe, werden auch noch in 20 Jahren da sein. Ich hoffe, dass ich immer noch Kontakt halten kann. Auch wenn dieser nicht mehr so intensiv sein wird.

Kann man Sie in den nächsten Jahren als Zuschauer bei den Schwingfesten sehen?

Ja natürlich, auf das freu ich mich.

Interview: Lui Eigenmann