Die Spitäler im Kanton sind am Anschlag
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19.03.2020 06:55

Wegen Coronavirus: Politiker fordert neue Spitalstrategie

Wegen des Coronavirus kommen die Spitäler an ihre Grenzen. Der Zuzwiler SVP Politiker Walter Kerschbaumer fordert daher nun, dass die Spitalstrategie des Kantons überdacht wird. Wenn jetzt schon der Kollaps drohe, dürfe man nicht noch weitere Betten streichen, findet er.

Wil «Politikerinnen und Politiker wacht auf und setzt euch massiv für jedes bereits bestehende Spitalbett ein, auch wenn Steuererhöhungen anstehen.» Diese Worte richtet Walter Kerschbaumer aus Zuzwil in einem offenen Brief an die Regierung und die Mitglieder des St.Galler Kantonsrates. Gegenüber den Wiler Nachrichten erklärt er, dass die durch den Coronavirus ausgelöste Krise gezeigt habe, dass die Strategie des Kantons zur Umstrukturierung der St.Galler Spitallandschaft nicht aufgehe. Er befürchtet, dass, nachdem bis im Jahr 2028 fünf von neun Spitälern im Kanton in ambulante Gesundheitszentren umgewandelt worden sind, die Gesundheitsversorgung nicht mehr für eine Epidemie gewappnet ist. «Man sieht ja, die Spitäler sind am Anschlag. Zudem laufen wegen den Plänen der Regierung gute Ärzte in den betroffenen Spitalregionen davon. Das kann doch für die Zukunft nicht aufgehen», erklärt der Präsident der Zuzwiler SVP. «Das bereits in Gang gesetzte verdichtete Bauen in den Kantonen wird bei Seuchen noch intensivere Auswirkungen mit sich bringen. Die von Bund derzeit geforderten mindestens zwei Meter Abstand von Mensch zu Mensch in Bezug auf die Übertragung von Viren und Bakterien wird das verdichtete Bauen in der Schweiz nicht zulassen», ist Kerschbaumer überzeugt.

Situation in Wil noch im Rahmen

Der Virus zeige, dass alle Spitäler im Kanton notwendig sind. Er selbst habe vor kurzem in den Kantonspital nach St.Gallen gehen müssen. Da habe er selbst gesehen, wie dieses an die Grenzen kommt. Angespannt ist die Situation auch im Spital Wil – wo die ersten hiesigen Corona-Patienten behandelt werden – auch wenn man die Situation zurzeit noch gut im Griff habe, wie Kommunikationsverantwortliche der Spitalregion Fürstenland, Barbara Anderegg sagt. «Wir können die Situation derzeit gut bewältigen. Auf die Behandlung respektive die Verlegung von Patienten, die am Zentrumsspital behandelt werden müssten, sind wir vorbereitet.» Die Weisung des Kantons bezüglich Besucherverbot würde ab Anfang Woche umgesetzt. «Wir fokussieren uns nun darauf, die Mitarbeitenden so gut wie möglich zu schützen, um Krankheitsausfällen möglichst vorzubeugen», erklärt Anderegg. Kerschbaumer appelliert nun an die St.Galler Regierung und Kantonsräte. Er hofft, dass sein offener Brief politische Vorstösse anregt, die die Spitalstrategie wieder kippen. Demnächst wird der der Kantonsrat die Strategie beraten. Dies voraussichtlich Ende Mai, die Aprilsession wurde wegen des Virus abgesagt.

«Virus und Strategie trennen»

Ob Kerschbaumers Anregung Anklang findet wird sich dann zeigen. Bürgerliche Seiten im Kantonsrat liessen dieser Tage verlauten, dass man die Coronavirus-Ausbreitung für etwas Vorübergehendes halte, die Spitalstrategie aber etwas Langfristiges sei. So sagt SVP-Fraktionspräsident Michael Götte gegenüber dem Tagblatt, dass man ja nicht während der Coronakrise Spitäler schliesst und auch Beat Tinner, Präsident der FDP-Fraktion, ist der Meinung, dass die langfristige Umstrukturierung der Spitäler von einer kurzfristigen Notlage zu trennen sei. Unterstützung könnte Kerschbaumer aber aus dem linken Lager bekommen. So hat sich die SP schon immer gegen Spitalschliessungen gestemmt. Zu der aktuellen Lage sagt Fraktionspräsidentin Laura Bucher: «Krisen wie die aktuelle können immer wieder kommen. Darauf müssen unsere Spitäler vorbereitet sein.» Ob das Coronavirus im Kantonsrat die Spitalstrategie zu kippen vermag, dass wird sich zeigen, wenn das Parlament das nächste Mal zusammenkommt.

Marc Sieger