Die Psychiatriepflegefachfrau Mirella Chopard aus Oberuzwil hat ein Buch mit häufigen Persönlichkeitstypen geschrieben, die auch in der Küche vorkommen. das
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Die Psychiatriepflegefachfrau Mirella Chopard aus Oberuzwil hat ein Buch mit häufigen Persönlichkeitstypen geschrieben, die auch in der Küche vorkommen. das
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Die Psychiatriepflegefachfrau Mirella Chopard aus Oberuzwil hat ein Buch mit häufigen Persönlichkeitstypen geschrieben, die auch in der Küche vorkommen. das
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Die Psychiatriepflegefachfrau Mirella Chopard aus Oberuzwil hat ein Buch mit häufigen Persönlichkeitstypen geschrieben, die auch in der Küche vorkommen. das
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23.01.2020 06:55

Von betrügerischen Schneebesen und dominanten Dampfkochtöpfen

Es gibt Leute, die verhalten sich wie Narzissten, doch haben keine offizielle Diagnose. Wie soll man sie bezeichnen? Die Oberuzwilerin Mirella Chopard, die als Psychiatriepflegefachfrau und mit Strafgefangenen arbeitete, hat darauf eine humorvolle, aber akkurate Antwort gefunden – in der Küche.

Oberuzwil Jeder, der die Küche betritt, sieht als Erstes ihn. Glänzend, hochpoliert steht er dort und gibt ein angenehmes Gurgeln von sich. Er lässt köstlichen Kaffeeduft durch die Luft strömen. Er lockt und verführt. Doch zu nahe kommen darf man ihm keinesfalls. Sonst verbrennt man sich die Finger an ihm. Als Mirella Chopard eines Tages ihren Kaffeeautomaten ansah, bemerkte sie, dass diese Maschine so einiges mit einem gewissen Typ Mensch gemeinsam hat. «Jeder kennt ihn doch, denjenigen, der alle Aufmerksamkeit auf sich zieht und stets bewundert wird. Der gleichzeitig aber auch unnahbar ist und nur sich selbst sieht», sagt die Oberuzwilerin. Meint sie damit einen Narzissten? Chopard schüttelt bestimmt den Kopf. «Nein, eben nicht. Ich meine nicht jemanden, bei dem eine Persönlichkeitsstörung diagnostiziert wurde. Sondern nur einen bestimmten Typ Mensch, eine bestimmte Persönlichkeit.» Genau für diese, sagt die Oberuzwilerin, würden uns im Alltag die Worte fehlen. Es gebe keine respektvolle Bezeichnung, ohne gleich jemanden zu stigmatisieren. Das wollte Chopard ändern.

Ein Name für Undiagnostizierte

Also hat sie in ihrem Buch «Küchenpsychologie», das erst gerade veröffentlicht wurde, die 30 häufigsten Charaktertypen zusammengefasst – und jedem eine Küchenmaschine oder ein Küchenutensil zugeordnet. Da gibt es den jammernden Lappen, der nie zufrieden ist, die harmoniebedürftige Teemaschine, die keinen Ärger möchte oder den abhängigen Deckel, der auf den dominanten Dampfkochtopf angewiesen ist. Chopards Buch enthält eine grosse Prise Humor. Doch die Typen, die sie beschreibt, sind auch erschreckend treffend. Kein Wunder, Chopard war viele Jahre lang Psychiatriepflegefachfrau und arbeitete als forensische Therapeutin mit Strafgefangenen. Seit 14 Jahren ist sie selbstständige Supervisorin. Sie hilft überall dort, wo Leute zusammenarbeiten, die Arbeitsqualität zu verbessern. «Im Laufe meiner Tätigkeit erkannte ich gewisse Charaktere immer wieder. Frostige Kühlschränke in Chefs, dienende Seifenspender in Mitarbeiterinnen.»

Jeder hat eine Sonnenseite

Nun haben diese Charaktere in Chopards Buch einen Platz erhalten. Sich selbst lässt sie nicht aussen vor. «Das machen Leute, die sich mit Psychologie beschäftigen, gerne. Doch auch ich bin nicht störungsfrei. Wir leben schliesslich alle im selben Küchenuniversum», gibt Chopard zu. Sie sei beruflich am häufigsten ein fröhliches Licht, privat aber auch mal ein ungeduldiger Wasserkocher oder ein besserwisserisches Kochbuch, sagt sie lachend. «Jeder von uns nimmt mehrere Rollen ein.» Und auch bei den auf den ersten Blick negativen Charaktertypen gebe es immer eine Sonnenseite. So könne man gewisse berufliche Herausforderungen vielleicht besser als frostiger Kühlschrank meistern. Nur mit dem aggressiven Fleischklopfer, der zu Gewalt neigt, hat sie kein Erbarmen. Deshalb schreibt sie bei dessen «Bedienungsanleitung» ganz hinten im Buch auch: «Rette sich, wer kann.»

Darina Schweizer