Claudio Palumbo am Wiler Bahnhof, wo noch immer die Züge durchfahren. das
1/2 Claudio Palumbo am Wiler Bahnhof, wo noch immer die Züge durchfahren. das
Claudio Palumbo am Wiler Bahnhof, wo noch immer die Züge durchfahren. das
2/2 Claudio Palumbo am Wiler Bahnhof, wo noch immer die Züge durchfahren. das
03.02.2020 06:55

«Viele Züge fahren immer noch ohne zu halten durch»

Noch immer fahren in Wil, Uzwil und Flawil Züge durch, die halten müssten. Leute aus der Region ärgert dies enorm. Einer von ihnen ist der Bazenheider Claudio Palumbo, der sogar schon darüber nachdenkt umzuziehen. Laut der SBB reizt man bereits die allerletzten Reserven im Fahrplan aus.

Uzwil/Flawil/Wil Wenn der Zug am Zuhause vorbeifährt: Das erlebten im vergangenen Jahr viele Pendler, die zwischen Zürich und St.Gallen unterwegs waren. In Wil, Uzwil, Flawil und Gossau wurde ohne Halt durchgefahren. Der Grund: Die SBB wollte Verspätungen aufholen. Das sei «die einzige Lösung, um den pünktlichen Verkehr rasch wiederherzustellen», hiess es. Für die Betroffenen der Region war dies keine zufriedenstellende Antwort. Und sogar die Wiler Stadtpräsidentin Susanne Hartmann wehrte sich (WN vom 19. Dezember: «Aussprache mit SBB»). Dies schien Wirkung zu zeigen. Die SBB erklärte beim Fahrplanwechsel, dass es zu einer Verbesserung der Situation komme. Doch ist das tatsächlich geschehen? Pendler erzählen.

Viel Unmut auf Facebook

Überfliegt man die Kommentare, die in letzter Zeit auf der Facebook-Seite «Du bisch vo Wil, wenn...» zu diesem Thema abgegeben wurden, scheint dies nicht so zu sein. «SBB lässt uns Wiler schon wieder stehen. Ausfall könnte ja mal passieren, doch dieser Grund geht gar nicht – 'geänderter Fahrzeugeinsatz'! Man hätte den Zug ja wenigstens verkürzt führen können, aber mit uns Wilern kann man ja machen, was man will», stiess Thomas Vögeli die Diskussion an. Sofort meldeten sich Gleichgesinnte zu Wort. «Das kenn ich...sötsch uf de Flughafe, und de Zug fallt us», schreibt Susanne Keller. «Könnten meine Worte sein. Die Region Wil wird von der SBB seit Jahren vernachlässigt», so Walter Happy Fröhlich. Einer, der diese Meinung teilt, ist Claudio Palumbo.

«Ausfall ist nur ein Vorwand»

«Noch immer fahren sehr viele Züge in Wil, Uzwil und Flawil einfach durch. Gebessert hat sich nichts», ärgert sich der Bazenheider. Er fährt täglich von Bazenheid nach Zürich. Vergangene Woche setzte er sich auf seinem Nachhauseweg in einen IC5. Er ahnte nichts Böses, denn auf der Anzeigetafel war keine Meldung zu sehen. Als der Zug leicht verspätet in Winterthur eintraf, hiess es dann aber plötzlich: «Aufgrund einer Störung fährt dieser Zug nonstop von Winterthur nach St.Gallen. Reisende nach Wil, Uzwil, Flawil und Gossau werden gebeten umzusteigen.» Palumbo konnte es nicht fassen. Erst recht nicht, da der Zug halb leer gewesen sei und es keinen Grund gegeben habe, berufstätige Leute möglichst schnell ans Ziel zu bringen. Ein Einzelfall? «Von wegen», sagt Claudio Palumbo. Wenige Tage später wollte er mit dem IR13 von St.Gallen nach Bazenheid fahren. Auf der Anzeigetafel erschien die Meldung «Ausfall». Die Reisenden in St.Gallen wurden gebeten, auf den «Bummler» S12 umzusteigen. «Das war kein Ausfall, sondern nur ein Vorwand. Der Zug musste durchfahren, um Zeit aufzuholen», ist sich Palumbo sicher. «Wir in der Ostschweiz werden einfach übergangen, während der Zug in Oerlikon oft lange stehen bleibt. Mehrere mir bekannte Bühler-Mitarbeiter, deren Zug in Uzwil schon durchgefahren ist und die in Wil umsteigen mussten, haben sich darum bereits ein Auto angeschafft. Das kann es nicht sein», sagt er.

Im Notfall immer noch auslassen

Bei der SBB heisst es, man tue bereits alles, was möglich sei. «Wir haben die letzten Reserven im Fahrplan ausgereizt», sagt Reto Schaerli, stellvertretender Medienstellenleiter. So wurde mit dem Fahrplanwechsel die maximale Verspätung, mit welcher Züge noch in Wil, Uzwil und Flawil halten können, von zehn auf zwölf Minuten erhöht. «Dadurch verspäten sich vor allem S-Bahnen zwischen Zürich und Winterthur, die dadurch warten müssen. Dies kann dank anderer Fahrplanreserven auf den jeweiligen Linien aber wieder aufgeholt werden», sagt Schaerli. Im Notfall müssten jedoch Halte weiterhin ausgelassen werden. Seit dem Fahrplanwechsel sei dies im Fürstenland vier Mal vorgekommen. In drei Fällen sei es zu einer technischen Störung am Zug gekommen, einmal sei ein Zug wegen eines ausgefallenen Stellwerks stark verspätet gewesen. «Die Reisenden werden umgehend informiert, sobald feststeht, dass die Verspätung mit keiner anderen Massnahme aufgeholt werden kann. Auch in Oerlikon ist schon der Halt eines Zuges nach St.Gallen ausgelassen worden», so Schaerli. Claudio Palumbo schenkt dieser Aussage wenig Glauben. Er ist sich nach wie vor sicher, dass die Ostschweiz übergangen wird. «Wenn das so weitergeht, ziehe ich vielleicht irgendwann noch um», sagt er.

Darina Schweizer