Trotz Verbot wegen des Coronavirus schneiden einige Coiffeure weiter Haare.
1/1 Trotz Verbot wegen des Coronavirus schneiden einige Coiffeure weiter Haare.
26.03.2020 09:09

Trotz Corona zum Hairstyling: Schutz für Coiffeure gefordert

Coiffeursalons müssen wegen des Coronavirus geschlossen bleiben. Immer wieder erhalten die Betriebe aber Anfragen, ob sie Kunden nicht zu Hause oder heimlich im Lokal die Haare schneiden können. Dies gefährdet die Gesundheit der Angestellten und fördert Schwarzarbeit.

Wil Er erhalte des Öfteren Anfragen, ob er nicht Hausbesuche machen könne, erzählt Marco Maione von Immagine Maione Hairstyling in Wil. «Ich erkläre dann, dass dies nicht möglich ist, weil wir uns an die Anweisungen des Bundes halten.» Seit vergangener Woche müssen Coiffeurgeschäfte, wie viele andere Läden, geschlossen bleiben, um eine Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen.

Verband kennt das Problem

Dass viele Kunden dennoch versuchen würden, sich Leistungen zu «erschleichen», ist nicht nur im Geschäft von Marco Maione so. Wie Andrea Klaus, Präsidentin der Sektion Kanton St.Gallen von Coiffure Suisse sagt, bestehe tatsächlich ein grosses Problem. «Ich habe Kenntnis von solchen Fällen. Vereinzelt wurden sogar Mitarbeitende von anderen Salons motiviert, um Hausbesuche zu tätigen», sagt Klaus, die selbst in Algetshausen einen Coiffeursalon betreibt. Obwohl der Coiffeur-Homeservice ganz klar strafbar sei, werde zu Hause weitergearbeitet und so gegen die aktuelle Bundesverordnung verstossen. «Einige Coiffeusen und Coiffeure sehen darin eine lukrative Gelegenheit, so 'leicht' Geld zu verdienen und sind noch stolz darauf, jetzt besonders 'gefragt' zu sein.»

Wiler Frauen fordern Lösung

Das Problem ist aber nicht nur das Angebot, sondern die Nachfrage, wie die Gruppe Gesundheit des Frauenforums Wil findet. Mit einer Mitteilung wendet sich diese an die Öffentlichkeit und die Coiffeurverbände. Darin schreibt sie: «Wir erachten diese Umgehungsmöglichkeiten in gesundheitlicher Hinsicht als sehr gefährlich, weil so die Bemühungen unterlaufen werden, eine Eindämmung des Virus zu erreichen.» Es sei auch aus wirtschaftlichen und verbandspolitischen Gründen sicher nicht erwünscht, wenn sich Coiffeure und Coiffeusen in einer illegalen Zone bewegen würden. Die Wiler Gruppierung fordert daher Lösungen von den Verbänden und beispielsweise die Einführung einer Online-Ideenbörse und der Verbreitung der geltenden Richtlinien. «Gemeinsam mit den Sektionen und den Betroffenen müssten Ideen gesammelt werden, wie man das Problem auch für Kundinnen löst», sagt Erika Häusermann vom Frauenforum.

Massnahmen wurden ergriffen

Bei den Verbänden hat man das Problem erkannt, wie bereits Andrea Klaus von der St.Galler Sektion sagt und Barbara Müller Moreno von Coiffure Suisse bestätigt. «Wir greifen das Thema ebenfalls auf und sind daran, eine entsprechende Vorlage zu gestalten, die von den Coiffeuren in den sozialen Medien gepostet oder auch als Mailing an die Kundschaft verschickt werden kann.» Bei der Sektion St.Gallen hat man ebenfalls bereits reagiert und auf der Homepage ein Schreiben mit den Richtlinien aufgeschaltet und auf diversen Kanälen verbreitet in der Hoffnung, dass sich die Betriebe an die Regeln des Bundes halten. «Nun ist Solidarität gefragt und darum gilt, sich gegenseitig zu schützen und keinen Homeservice mehr anzufordern», sagt Klaus. Eine Meinung, die Marco Maione aus Wil teilt. «Ein gesunder Menschenverstand sollte sich im Klaren darüber sein, dass Hausbesuche überhaupt nichts bringen, sonst gewinnen wir diese Challenge nicht.»

Marc Sieger