Harry Brack in Oberbüren
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Ursula Egli, SVP-Fraktion
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Harry Brack in Oberbüren
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13.02.2020 13:00

SVP-Anlass wird Opfer eines Streits

Da sie die SVP nicht mit Harry Brack, dem ehemaligen Organisator des Fürstenlandforums, in Verbindung bringen wollte, setzte sich Ursula Egli gegen den Anlass ein. Für den Oberbürer völlig inakzeptabel.

Oberbüren/Flawil/Wil «Vier Jahre ist in Wil nichts passiert. Dann möchte man einen Anlass auf die Beine stellen und erhält ein Verbot.» Harry Brack aus Oberbüren ist verärgert. Das ehemalige SVP-Mitglied hatte in Wil für das Fürstenlandforum den Anlass «Die Schweiz und ihre Werte» organisieren wollen. Das Ziel: Im Hinblick auf die Kantonsratswahlen Werbung für die SVP Wahlkreis Wil machen. Die Gäste – darunter bekannte Namen wie Andreas Thiel und Oskar Freysinger - hatten bereits zugesagt. Das Programm stand. Und auch der SVP-Kreis-Präsident Bruno Dudli aus Oberbüren war mit im Boot. Dann kam plötzlich doch alles anders. Der Anlass in Wil wurde abgesagt.

Keine Plattform für Brack

«Das ganze Theater begann, als Bruno Dudli am 14. November 2019 den Wahlkreis informierte», sagt Brack. Kurze Zeit später kam eine E-Mail von Ursula Egli, SVP-Präsidentin der Ortspartei Wil, zurück. Diese liegt den Wiler Nachrichten vor. Darin schreibt Egli, sie wolle die Partei nicht mit Harry Brack in Verbindung bringen und ihm keine Plattform geben, da solche Aktionen dem Wahlkampf schaden würden. Die SVP könne solche Anlässe selbst organisieren. Bei Brack stiessen die Worte auf Unverständnis. Als «Plattform» hätte er den Anlass nie gesehen. Er hätte sich sogar absichtlich zurückgezogen und die Organisation an Bruno Dudli übergeben, sagt er. «Mein Name stand nirgends auf dem Programm», so Brack. Der wahre Grund für das «Verbot» vermutet er woanders: Die persönliche Fehde zwischen ihm und Egli.

Ein Streit im Hintergrund

Begonnen hatte der Clinch, als über die Wiler Moschee abgestimmt wurde. Die SVP habe sich damals zu wenig gegen den Bau gewehrt, fand Brack. Egli warf er vor, an einem Anlass zur Moschee-Eröffnung teilgenommen zu haben. Sie selbst sagte damals, als Präsidentin des Stadtparlaments sei es ihre Pflicht, daran teilzunehmen, auch wenn sie SVP-Mitglied sei. Die politischen Ansichten der beiden drifteten auseinander. An einer SVP-Vorstandssitzung wurde Brack gar aufgefordert, den Saal zu verlassen. Ausserdem riet Egli Bracks Politfreunden, sich von ihm zu distanzieren. Fest steht: Egli ist Bracks Linie zu hart – während Brack Eglis zu weich ist. «Die SVP Wil ist nicht mehr linientreu und es werden viel zu wenige Anlässe durchgeführt», findet Brack. Auch als Nicht-Parteimitglied sah er sich gezwungen, das Fürstenlandforum auf die Beine zu stellen. Bei Egli habe er nicht nachgefragt, weil «sie dem Anlass sowieso einen Riegel vorgeschoben hätte, da er von mir kommt – so passiert, als ich bei der Masseneinwanderungsinitiative eine Verteilaktion organisierte.» Ursula Egli weist die Vorwürfe klar zurück. Sie spreche keine «Verbote» aus. Sondern sie sei mit dem Organisationsablauf nicht einverstanden gewesen. «Einerseits ist Herr Brack nicht Mitglied der SVP. Und ausserdem hat er es unterlassen, mit der Ortspartei vorgängig Kontakt aufzunehmen. Mit seinem Verhalten trägt er nicht zu einem konstruktiven Dialog bei. Auch in den sozialen Medien diffamiert er nicht nur mich, sondern auch andere Mandatsträger der Partei», so Egli. Den Vorwurf, in der SVP Wil laufe nichts, sei absurd. «Gerade vor einer Woche haben wir die Initiative '30 Minuten gratis Parkieren' erfolgreich eingereicht. In der SVP Wil setzen wir den Fokus auf die Gemeindepolitik, und wir bringen uns im Stadtparlament sehr aktiv ein», so die Präsidentin der Ortspartei Wil.

Nach Flawil hat Brack genug

Ganz ins Wasser gefallen ist das Fürstenlandforum nun trotzdem nicht. Nachdem Harry Brack in Wil Gegenwind erhalten hatte, sah sich das neue Organisationskomitee unter Bruno Dudli und Marco Baumann nach einem alternativen Standort um. Nach langer Suche wurden sie in Flawil fündig. Morgen Abend wird der Anlass im Lindensaal stattfinden. «Ich bin noch skeptisch, ob genug Leute kommen», sagt Brack. Flawil habe nicht dieselbe Ausstrahlungskraft wie das schweizweit bekannte Wil. «Dort wäre es ein Grossanlass geworden, mit dem wir bestimmt gegen 500 Leute nach Wil gebracht hätten. Auch hätten wir mittels Sponsoren ein stolzes Budget zusammengebracht», so Brack wehmütig. «Nun gibt es kein Budget. Wir können froh sein, wenn 150 Leute kommen. Der Aufwand hat sich aber trotzdem gelohnt, da Bruno Dudli und Marco Baumann den Anlass fertig organisierten.» Egli selbst hält den Austragungsort für ideal. «Das Fürstenlandforum soll ja, wie es im Namen steht, an verschiedenen Orten im Fürstenland stattfinden.» Auch da sind sich die beiden also uneinig. Brack hat nach Jahren der Auseinandersetzung langsam genug. Ab März 2020 plane er einen «Polixit». Für seine Überzeugungen wolle er aber nach wie vor einstehen, sagt er. «Schweigen kommt nicht infrage. Ich lasse mir keinen Maulkorb geben.»

von Darina Schweizer