Haigui Liu-Resenterra mit Giovanni Resenterra (links) und Herbert Hohl, beides ebenfalls Mitglieder des Chinesischen Vereins Wil. Haigui Liu-Resenterra hat Verwandte nicht weit von Wuhan. Mit ihrem Verein sammelt sie nun für Spitäler in der Region. mas
1/2 Haigui Liu-Resenterra mit Giovanni Resenterra (links) und Herbert Hohl, beides ebenfalls Mitglieder des Chinesischen Vereins Wil. Haigui Liu-Resenterra hat Verwandte nicht weit von Wuhan. Mit ihrem Verein sammelt sie nun für Spitäler in der Region. mas
Am Sonntag gab der chinesische Verein Wil eine erste Ladung Schutzartikel am Flughafen in Zürich auf. z.V.g
2/2 Am Sonntag gab der chinesische Verein Wil eine erste Ladung Schutzartikel am Flughafen in Zürich auf. z.V.g
07.02.2020 06:55

Sorge um die Verwandten – Wiler Chinesen wollen helfen

Das Coronavirus, das derzeit in China grassiert, verunsichert auch in der Schweiz lebende Chinesen. So auch Haigui Liu Resenterra aus Wil, die unweit von Wuhan, dem Epizentrum der Epidemie, aufgewachsen ist. Mit ihrem Verein will sie nun ihre Landsleute unterstützen.

Wil Haigui Liu Resenterra sitzt in ihrer Wohnung in Wil und sucht im Internet nach Anbietern von Schutzkleidung und Schutzmasken. Mit ernster Miene erzählt sie: «Was derzeit in China passiert macht mir grosse Sorgen». Liu Resenterra ist in der Jiangxi-Provinz in China aufgewachsen. Diese ist die Nachbarprovinz von Hubei, deren Hauptstadt Wuhan ist, das Epizentrum der Coronavirus-Epidemie. Seit Tagen erreichen die in der Schweiz lebenden Chinesinnen und Chinesen Nachrichten aus der Stadt. Die Strassen sind wie leer gefegt, viele Läden sind geschlossen, die Regierung rät den Bürgern zu Hause zu bleiben, in den Spitälern versuchen die Ärzte, das Virus in den Griff zu bekommen. «Wir hoffen sehr, dass sich die Krankheit nicht weiter ausbreitet», sagt Liu Resenterra. Zwar warnen Mediziner vor einer Panikmache wegen des Virus, die seit über zehn Jahren in Wil lebende Chinesin macht sich aber dennoch Sorgen, dass das Coronavirus auch in ihrer Heimatprovinz um sich greifen könnte. Liu Resenterra hat drei Schwestern, die noch in der Jiangxi-Provinz  leben. Eine ihrer Nichten arbeitet in einem Spital. Und zwar genau in dem Spital, in dem die chinesischen Behörden alle Verdachtsfälle des Coronavirus in Jiangxi unterbringen wollen. «Das ist nun schon ein mulmiges Gefühl», erzählt Liu Resenterra.

Sorgen an Neujahrsfest

Unter anderem für die Spitäler in Wuhan sammelt sie zusammen mit dem Chinesischen Verein Wil nun Spenden. Mit diesen will sie Schutzkleidung und Schutzmasken kaufen und nach China schicken. «Die sind grosse Mangelware derzeit. Und da vielerorts auch die Fabriken still stehen und keine weiteren Masken produziert werden, will ich helfen.» Dass sie helfen müsse, sei ihr nach dem Chinesischen Neujahrsfest am 25. Januar bewusst geworden. Trotz guter Stimmung sei unter den, aus der ganzen Schweiz nach Wil gereisten, Besuchern eine Verunsicherung zu spüren gewesen, erzählt Liu Resenterra. Aus der Sorge, sich oder die Kinder einer Ansteckung auszusetzen, hätten sich gut 15 Personen nur wenige Stunden vor dem Fest wieder abgemeldet. «Da wurde mir klar, dass ich etwas machen muss», sagt die Präsidentin des Chinesischen Vereins Wil.

Transport nach China ist mühsam

Intern hat der Verein bis jetzt über 5000 Franken gesammelt. Am vergangenen Sonntag wurde eine erste Ladung Schutzartikel nach China geschickt. Am Montag seien die Güter bereits in Shenzhen in der Nähe Honkongs angekommen. Von dort sollen sie den Weg nach Wuhan finden. Dies in die Wege zu leiten sei aber schwierig. Einen Transport direkt nach Wuhan zu organisieren sei so gut wie unmöglich, erklärt Liu Resenterra. Der Chinesische Verein unterhalte aber Kontakte zu einer Organisation in der Jiangxi-Provinz. Diese solle dann die Hilfsgüter verteilen, erklärt Liu Resenterra. Dabei zeigt sie in Chinesisch verfasste Briefe und E-Mails. Einen Grossteil ihrer Zeit verbringt Liu Resenterra mittlerweile am Computer oder am Telefon, knüpft Kontakte nach China, sucht nach Transportwegen und nach Spendern. «Während den Vorbereitungen für das Neujahrsfest war mir die Situation in China gar nicht so bewusst, ich war hier zu beschäftigt», erzählt sie. Nun treibt sie die Sorge um ihre Verwandten in der Heimat und der Wunsch zu helfen um – in der Hoffnung, mit Schutzkleidern aus der Schweiz in China einen Beitrag leisten zu können.

Marc Sieger