Schulraumerweiterung Lütisburg
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10.02.2020 07:00

Schulraumerweiterung: Das zähe Ringen geht weiter

Ende Jahr wurde den Architekten gekündigt, die mit der Schulraumerweiterung der Primarschule Neudorf in Lütisburg beauftragt waren. Zu den Gründen wurde bisher geschwiegen. Doch nun  verrät Ivan Marty von der Marty Architektur AG, was hinter den Kulissen ablief.

Lütisburg Eine Fernsehserie, die sich unnötig in die Länge zieht – ungefähr so erleben die Lütisburger ihre über Monate andauernde Schulraumerweiterung. Die erste «Folge» steckte noch voller Überraschungen. Im November 2018 wurde der Bau einer neuen Mehrzweckhhalle bachab geschickt. Und nachdem das Baugesuch Anfang 2019 eingereicht wurde, gingen sechs Einsprachen gegen das Projekt ein. Dann geschah lange nichts. Zu lange. Wäre die Schulraumerweiterung tatsächlich eine Serie, hätten wohl die meisten bereits umgeschaltet. Doch dann kam der Dezember 2019.

Zusammenarbeit aufgelöst

Im Mitteilungsblatt der Gemeinde Lütisburg war plötzlich zu lesen: «Nach Vermittlungsgesprächen entschied der Schulrat nach reiflicher Prüfung der Situation, die Zusammenarbeit mit dem Architekten aufzulösen.» Seit da geht in Lütisburg die Frage um, wie es dazu hatte kommen können, schliesslich war vordergründig knapp ein halbes Jahr nichts passiert. Nun zeigt sich: Das täuschte. Während im Vordergrund alles seinen gewohnten lang zu nehmen schien, brodelte es im Hintergrund. Dies offenbart Ivan Marty von der Marty Architektur AG – eine der Hauptpersonen der ganzen Geschichte – den «WN»

«Änderungen verzögerten alles»

Begonnen hatten die Differenzen nach der Baueingabe im Mai 2019. Ohne Marty darüber zu informieren, hatte der Schulrat der Bauberaterin Martina Münster gekündigt und Hubert Bischoff als ihren Nachfolger eingesetzt. «Von diesem Moment an schien nichts mehr relevant zu sein, was wir zuvor erarbeitet hatten», so Marty.  Raumgrössen sollten angepasst, Wände verschoben, der Liftschacht und das Treppenhaus umplatziert werden sollen. Eigentlich seien alles «Peanuts- Änderungen» gewesen, so Marty, doch diese hätten aus ihrer Sicht  keinen Vorteil gebracht und den ganzen Prozess nur verzögert. «Statt sich mit den Einsprachen zu beschäftigen, steckte man die ganze Energie in solche Nebensächlichkeiten. Alles verzögerte sich. Durch jede Wand, die  verschoben werden sollte, mussten wir die ganze Statik überarbeiten. Das sah der Schulrat nicht ein. Er meinte, dies ergebe keinerlei Mehraufwand und müsse auch nicht vergütet werden », so Marty. Die Fronten erhärteten sich. Währenddessen machte der Vorwurf die Runde, die Architekten hätten nach der verlorenen Abstimmung ihre Motivation verloren und zu wenig Herzblut in das Projekt gesteckt. «Das Gegenteil ist der Fall», betont Marty. «Wir waren stets mit ganzem Herzblut dabei. Nach der Abstimmung haben wir sogar extra über  Weihnachten und Neujahr durchgearbeitet, damit wir rechtzeitig das Baugesuch einreichen konnten. Und danach gingen wir wo immer möglich auf Änderungen ein.» Ausserdem sei man für die zahlreichen Sitzungen, die abgehalten wurden, immer wieder von Schwyz nach Lütisburg gefahren – oft vergebens.

Bauberater mischte sich ein

«Plötzlich mischte sich der Bauberater in architektonische Fragen ein und entwarf Modelle mit. Es wurden jedes Mal wieder neue Ideen eingebracht und nie ein Entscheid getroffen», so Marty. Die Architekten sahen keinen Grund mehr, an den Sitzungen teilzunehmen. «Wir hatten alle Entscheidungsgrundlagen geliefert und wollten endlich wissen, wie das Projekt nun endgültig aussieht», sagt Marty. Dies hätten sie jedoch bis zum Schluss nicht erfahren. Irgendwann war die Geduld der Architekten zu Ende. «Wir wurden vor die Wahl estellt, das Projekt vom Bauherrenberater zu übernehmen oder der Auftrag mit uns wird gekündigt, obwohl uns kein Fehlverhalten oder Verschulden aufgezeigt wurde. Man hätte sich mit dem Projekt nicht mehr identifizieren können. «Es war nicht mehr das, welchem die Lütisburger 2018 zugestimmt hatten», so Marty.

Wie es weitergeht

Doch auch damit war noch nicht alles im Reinen. Bis vor wenigen Wochen hätte man auf die Honorarabrechnungen gewartet, sagt Marty. «Nun haben wir die Kündigung erhalten und die ausstehenden Beiträge wurden im vollen Umfang überwiesen. Was bestätigt, dass wir allen Verpflichtungen nachgekommen sind.» Wie es nun weiter geht, ist unklar. Schulratspräsidentin Marianne Burger sagt auf Anfrage, es sei noch zu früh, über das weitere Vorgehen zu berichten. Zu den Vorwürfen der Marty Architektur AG nimmt sie keine Stellung. Die Serie «Schulraumerweiterung» kann sich also noch weiter in die Länge ziehen.

Darina Schweizer