Marlon«Samsi» Tanner bei einem Wettkampf, an dem er den dritten Platz holte. Seine Renndrohnen baut der Elektronik-Lehrling aus Matzingen stets selbst.
1/1 Marlon«Samsi» Tanner bei einem Wettkampf, an dem er den dritten Platz holte. Seine Renndrohnen baut der Elektronik-Lehrling aus Matzingen stets selbst.
23.01.2020 08:35

«Samsi» denkt schon mit 19 Jahren an den Rücktritt

Die Swiss Drone League (SDL) startet im April in die neue Saison. Fünf Standorte schweizweit konnten gefunden werden, wo sich die «Formel-E der Lüfte» dem Publikum präsentiert. Marlon Tanner aus Matzingen, einer der besten Drohnenpiloten der Schweiz, ist skeptisch.

Matzingen In Sekundenschnelle auf 170 km/h und mit Höchstgeschwindigkeit in enge Kurven. Drone Racing ist ein neuer Hochgeschwindigkeitsrennsport, der sich auch in der Schweiz einer grossen Beliebtheit erfreut. In den Rennen fliegen die Piloten sogenannte Quad-Copter Drohnen durch dreidimensionale Kurse, vollführen Loopings oder Überschläge. Einer, der diesem Hobby seit rund vier Jahren frönt, ist Marlon Tanner aus Matzingen. In der Szene nennt man den 19–Jährigen nur bei seinem Spitznamen «Samsi». Mit seiner selbstgebauten Drohne wurde der LLernende 2018 gar Schweizermeister. Der grösste Erfolg in seiner noch jungen Karriere als Drohnenpilot. Damit zählt «Samsi», auch wenn er es selber nicht gerne sagt, zu den besten Drohnenpiloten in der Schweiz und ist das Aushängeschild der Swiss Drone League (SDL). Doch wie lange noch?

Zwang stört die Piloten

Seit ein paar Tagen ist bekannt, wo die diesjährigen Rennen der Swiss Drone League (SDL) ausgetragen werden. Es sind die Städte St. Gallen, Lugano, Luzern, Zürich und Bern. Doch die SDL hat nicht nur die Tourstopps bekannt gegeben, sondern auch die Regeländerungen, die auf dieses Jahr hin vorgenommen wurden. So kürt die SDL in diesem Jahr neu im Auftrag des Schweizerischen Modellflugverbandes (SMV) sowie dem Aero-Club der Schweiz (AeCs) den offiziellen Schweizer Meister. Das war bis anhin nicht so, moniert «Samsi»: «Wir Drohnenpiloten müssen nun, wenn wir an der Meisterschaft teilnehmen wollen, dem Modellflugverband beitreten. Dem Verband, der sich schon mehrmals kritisch gegen unsere Renndrohnen geäussert hat.» Dazu kommen laut «Samsi» zusätzliche Kosten auf die Piloten zu: «Wenn wir dem Verband beitreten wollen, müssen wir 160 Franken Jahresgebühr bezahlen, obwohl wir keine Infrastruktur der Modellflieger, wie etwa die Flugplätze, von den Gegebenheiten her nutzen können.» Das Hobby des Modellflugs findet «Samsi» indes spannend: «Ich bin selbst früher mit Modellfliegern herumgekurvt. Was mich aber stört, ist der Zwang, dem Verband nun beitreten zu müssen, wenn wir Piloten weiter an der Meisterschaft teilnehmen wollen.»

Zu viele Lichter auf der Drohne

Es ist aber nicht nur der Zwang, dem Verband beitreten zu müssen, dass den Matzinger «Samsi» stört, sondern auch die Verbesserungsvorschläge, auf die die Swiss Drone League kaum eingeht: «Damit man am Fernsehen unsere Drohnen im Wettkampf sehen kann, sind darauf rund 30 LED-Lampen montiert. Diese zu reparieren oder zu wechseln ist unter Zeitdruck eine Herkulesaufgabe. Da ist man dann teilweise zu dritt beschäftigt. Das geht einfach nicht.» «Samsi» fordert darum, mit weniger Lichtern zu fliegen. Mit der Swiss Drone League sei man dazu im Gespräch, verrät der Matzinger: «Wir haben einen WhatsApp-Gruppenchat, in dem auch die Verantwortlichen der Liga sind. Mal sehen, wie man sich entscheidet.»

Keine Wettkämpfe mehr?

Ob «Samsi» in diesem Jahr bei der Meisterschaft mitmischen wird, weiss er noch nicht. Abwarten was sich bis zum April noch tut, ist seine Devise. Trotz der störenden Regeländerungen schwärmt der 19–Jährige aber von der Schweizer Liga. Die Wettkämpfe selber seien super organisiert und werden auch aus dem Ausland immer wieder gelobt. Apropos Ausland, kann sich «Samsi» vorstellen in einer anderen Liga anzutreten? Der Drohnenpilot winkt ab: «In Italien ist das Drohnenfliegen grundsätzlich illegal, in Österreich gibt es kaum Rennen und für Deutschland sind mir die Wege zu weit.» Ein Karriereende scheint also möglich. «Samsi» schmunzelt: «Drohnen sind meine Leidenschaft. Ich baue die 'Dinger' sehr gerne und auch das Adrenalin beim Fliegen möchte ich nicht missen.» Doch «Samsi» hat für seine Leidenschaft so oder so schon vorgesorgt. Zusammen mit ein Freunden hat er die Firma «Triple F» gegründet. Mit dieser bietet er professionelle Drohnen-Flüge für Kunden an. Mit Erfolg: Für Porsche durfte «Samsi» bereits einmal einen Werbesport drehen.

Lui Eigenmann