Otto Noger vor der katholischen Kirche in Kirchberg. das
1/2 Otto Noger vor der katholischen Kirche in Kirchberg. das
Otto Noger vor der katholischen Kirche in Kirchberg. das
2/2 Otto Noger vor der katholischen Kirche in Kirchberg. das
21.03.2020 06:55

Pfarreiratspräsident kündigt: «Aus Fehlern lernte man nie»

Lange hat Otto Noger die Streitigkeiten in der Seelsorgeeinheit Bazenheid-Gähwil-Kirchberg hautnah miterlebt. Nun reicht es dem Kirchberger Pfarreiratspräsidenten. Nachdem dem Kirchberger Jugendarbeiter gekündigt wurde, zieht auch Noger einen Schlussstrich – und packt aus.

Kirchberg Otto Noger hat genug. Genug von den Streitereien. Genug von den Gerüchten. Genug von den Schuldzuweisungen. Zwölf Jahre war er Pfarreiratspräsident in der Pfarrei Kirchberg der Seelsorgeeinheit Bazenheid-Gähwil-Kirchberg, nun hat er seinen Rücktritt bekanntgegeben. Ursprünglich war sein Amt ein Hobby für ihn, als Ausgleich zu seinem kopflastigen Job als Leiter der Winterthurer Astra-Filiale. «Das ist es aber nicht mehr. Es ist nur noch eine Belastung», sagt er.

Schluss mit dem Schweigen

Drei Mal hat Noger bisher einen Eklat miterlebt. 2012, als der damalige Kirchberger Pfarrer die Seelsorgeeinheit wegen internen Konflikten verliess, 2019, als drei Seelsorgende ihre Kündigung einreichten und einem weiteren gekündigt wurde (WN vom 21. November 2019: «Bruch in Seelsorgeeinheit: 'Forderungen sind zu einseitig'»), und jetzt, vor wenigen Tagen, als dem Jugendarbeiter der Seelsorgeeinheit gekündigt wurde (WN vom 12. März: «Erneuter Eklat in Seelsorgeeinheit»). «Drei Mal habe ich das alles nun schon miterlebt. Jedes Mal hat man die Öffentlichkeit nicht vollständig und zu spät informiert. Gelernt hat man nie etwas aus den Fehlern. Deshalb kann ich nun nicht mehr schweigen.»

Ein Streit, der nie gelöst wurde

Noger verrät, dass hinter den anhaltenden Konflikten ein alter Streit zwischen den Pfarreien Bazenheid, Gähwil und Kirchberg stehe. «2012, als der damalige Kirchberger Pfarrer die Seelsorgeeinheit verliess, haben sich die Kirchenverwaltungsräte zerstritten. Der Konflikt wurde jedoch nie gelöst, auch nicht Anfang 2020, als von einem 'Neuanfang' die Rede war und man nur noch einen Verwaltungsrat wollte. Die gegenseitigen Vorurteile blieben und gemeinsame Lösungen fand man nicht», so Noger. Wie der Pfarreiratspräsident durchblicken lässt, arbeiten die Kirchenverwaltungsräte immer noch gegeneinander. Weder er noch andere Betroffene, die in den letzten Monaten zu Wort kamen, wollen jedoch damit herausrücken, welche Pfarrei sich gegen welche stellt. Hinter vorgehaltener Hand wird jedoch angedeutet: Bazenheid und Gähwil spannen zusammen gegen Kirchberg.

Bistum hintergangen

Doch nicht nur die Zusammenarbeit mit Kirchberg, auch diejenige mit dem Bistum scheint nicht zu funktionieren. Deutlich wurde dies 2019 bei der einseitigen Kündigung von drei Seelsorgern und der darauf folgenden Unterschriftensammlung durch die Bevölkerung. Das Bistum wollte zur Lösung des damaligen Konflikts einen externen Teamleiter einsetzen. Wie Noger sagt, seien einzelne Seelsorgende dafür, die Mehrheit jedoch dagegen gewesen. «Es gipfelte darin, dass die Kirchenverwaltungen mit Kündigungen drohten.» Daraufhin habe das Bistum in Absprache mit allen Kirchenverwaltungen eine Medienmitteilung veröffentlichen wollen. Dazu kam es jedoch nie. Stattdessen sei «hinter dem Rücken des Bistums» eine Unterschriftensammlung gestartet und selbst eine Mitteilung herausgegeben worden. «Man versuchte, das Bistum unter Druck zu setzen», so Noger. «Das geht gar nicht. Das Bistum ist die oberste Instanz der Seelsorgeeinheit. Das muss man akzeptieren. In Personalangelegenheiten kann man als Kirchenverwaltungsrat nicht eigenmächtig vorgehen. Doch das wurde nun erneut getan.» Noger verweist auf die erst gerade erfolgte Kündigung des Jugendarbeiters der Seelsorgeeinheit.

Ein mögliches Nachspiel?

«Mit dem Vorwand eines Neuanfangs wurde beschlossen, dem letzten Verbliebenen zu kündigen. Wiederum wurde ohne Rücksprache mit dem Bistum eigenmächtig gehandelt. Das könnte noch ein rechtliches Nachspiel haben», so Noger. Er wolle niemandem den Schwarzen Peter zuschieben. Auch wolle er nicht die Leistungen einzelner Mitglieder in Abrede stellen. Durch seine Kündigung hofft er, dass die Verantwortlichen «endlich aufwachen» und eine gute und endgültige Lösung finden. «Das ist nur möglich, wenn alle Verantwortlichen im Zweckverband ausgewechselt werden und ein kompletter Neuanfang gewagt wird. Ich hoffe sehr, dass die dafür notwendigen Schritte endlich eingeleitet werden. Und dass die Kirchgemeindemitglieder an den nächsten Versammlungen richtig entscheiden», so Noger.

Darina Schweizer