Viele Behandlungen, auf die Frauen in Spitälern lange warten müssen, kann Dieter Neubauer in seiner Praxis auch durchführen.  das
1/3 Viele Behandlungen, auf die Frauen in Spitälern lange warten müssen, kann Dieter Neubauer in seiner Praxis auch durchführen. das
Dieter Neubauer in der Uzepraxis in Niederuzwil. das
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Dieter Neubauer in der Uzepraxis in Niederuzwil. das
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29.01.2020 06:55

«Patientinnen warten im Spital oft eine Woche auf einen Termin»

Lange Wartezeiten und Abwanderung von Patientinnen: Schon länger beobachtet der Gynäkologe Dieter Neubauer diese Entwicklung in der ambulanten frauenärztlichen Versorgung in der Region. Beim Spital Wil sieht man keinen Handlungsbedarf.

Niederuzwil/Region Plötzlich und ohne jede Vorwarnung sind sie da: Unerwartete Blutungen, Schmerzen im Intimbereich, undefinierbare Knoten in der Brust. Unsicherheit macht sich breit, Ängste tauchen auf. Man möchte Gewissheit und ruft seinen Frauenarzt an. Das war nicht immer so. «Frauen wenden sich heute viel schneller an Ärzte als früher», sagt Dieter Neubauer, Facharzt für Gynäkologie in der Uzepraxis in Niederuzwil. «Die Sensibilität hat zugenommen, das ist erfreulich.» Weniger erfreulich: In Spitälern und einigen Frauenarztpraxen in der Region bestehen laut Neubauer – sofern es sich nicht um einen Notfall handelt – oft lange Wartezeiten. «Im Spital kann es über eine Woche dauern, bis man einen Termin bekommt», sagt er. Beobachtet hat der Frauenarzt dieses Phänomen zuerst im Spital Heiden AR und dann in Wil, wo er zuletzt als leitender Gynäkologe arbeitete. Dann beschloss er, etwas dagegen zu unternehmen.

«Private Praxen entlasten»

Vergangenes Jahr mietete sich Dieter Neubauer in der Uzepraxis in Niederuzwil ein und eröffnete seine eigene Frauenarztpraxis. Davon brauche es noch viele weitere, sagt er. «Nur so kann die Lücke in der ambulanten frauenärztlichen Versorgung geschlossen werden», sagt er. Konkret heisst das: Frauen, die unangenehme Symptome wie beispielsweise plötzliche Schmerzen im Intimbereich verspüren, aber nicht als Notfall eingestuft werden, müssen so nicht eine Woche «ausharren», sondern erhalten in wenigen Tagen – oft gleich am Folgetag – einen Termin. Beim Einsetzen von Spiralen oder Sterilitätsbehandlungen sei eine zeitnahe Behandlung besonders wichtig, da beide Eingriffe nur zu einem bestimmten Zeitpunkt im weiblichen Zyklus vorgenommen werden könnten, so Neubauer. In der Thurklinik in Niederuzwil führt der Gynäkologe auch kleinere Operationen durch. Zum Beispiel entfernt er Eierstockzysten, führt Bauchspiegelungen durch oder macht kleine Brustoperationen. «So entlaste ich die Spitäler und verhindere, dass die Patientinnen in andere Regionen wie St.Gallen oder Winterthur abwandern», so Neubauer. Das sei ein grosses Problem. Doch woran liegt es aus seiner Sicht, dass Frauen so lange warten müssen, bis sie einen Termin erhalten?

Gründe für Wartezeiten

«Viele Einrichtungen sind zu voll. Die Räumlichkeiten und Kapazitäten der Mitarbeiter sind begrenzt. Viele Ärzte können oder wollen ihre Arbeitszeiten nicht ausdehnen», sagt Dieter Neubauer. «Deshalb braucht es mehr private Frauenarztpraxen, die diese Lücke schliessen.» Doch kommen nicht auch diese an ihre Kapazitätsgrenzen? «Ich persönlich habe für Patientinnen in der ambulanten Versorgung noch immer eine Lücke gefunden», sagt Neubauer. Nicht in allen Fällen kann eine Praxis wie diejenige von Dieter Neubauer jedoch «einspringen», gewisse Eingriffe können nur im Spital vorgenommen werden. Dazu gehören beispielsweise Krebserkrankungen der Brust, Gebärmutter oder Eierstöcke. «Das ist auch gut so», sagt Neubauer. «Ich stehe ja nicht in Konkurrenz mit Spitälern. Sondern ich möchte sie sinnvoll entlasten und so den Frauen in der Region die best- und schnellstmögliche Behandlung ermöglichen.» Dies sei insbesondere deshalb wichtig, da die Chlamydien, eine sexuell übertragbare Krankheit, in letzter Zeit zugenommen hätten, so Neubauer. «Eine unbehandelte Infektion kann dazu führen, dass der Eileiter vernarbt. Deshalb gilt es, schnell zu handeln.» Auch Barbara Anderegg, Kommunikationsleiterin der Spitalregion Fürstenland Toggenburg, ist für schnelles Handeln. Doch sie hält das Angebot von Spitälern und Frauenarztpraxen in der Region bereits für gut ausgebaut.

Darina Schweizer

Barbara Anderegg

«Die gynäkologische Versorgung in der Region funktioniert durch das gute Zusammenspiel der niedergelassenen Gynäkologinnen und Gynäkologen und des Spitals, deren Angebote sich ergänzen, gut. Ein Überangebot an Praxen in der Region gibt es nicht, aber es ist ausreichend, um gemeinsam mit dem Spital zu jedem Zeitpunkt eine gute Versorgung und Betreuung der Patientinnen in der Region zu gewährleisten. Im Spital werden die Termine aufgrund der Dringlichkeit der geschilderten Symptome und dem Empfinden der betroffenen Frau vergeben. In dringenden Fällen erhalten die Patientinnen innert einem bis zwei Tagen einen Termin. Sind die Beschwerden akut und ist eine sofortige Untersuchung angezeigt, so finden wir in der Regel gleichentags einen Termin in unserer Praxis. Oder wir bitten die Patientin auf die 24 Stunden geöffnete Notfallstation mit Integrierter Notfallpraxis, wo sie ebenfalls gynäkologisch betreut werden kann. Ist aufgrund der Untersuchungsergebnisse ein rascher operativer Eingriff indiziert, so stehen dafür ebenfalls rund um die Uhr die notwendigen Kapazitäten bereit.»