Eric von Ballmoos, Benninger Guss AG. das
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07.03.2020 06:55

«Nicht erst regional denken, wenn ein Virus da ist»

Während der Coronavirus die Wirtschaft in China praktisch lahmgelegt hat, lief das Geschäft bei der Benninger Guss AG in Uzwil in letzter Zeit besonders gut. CEO Eric von Ballmoos findet, dass sich Firmen nicht zu sehr von internationalen Zulieferern wie China abhängig machen sollten.

Eric von Ballmoos, der Ausbruch des Coronavirus hatte auf Ihr Geschäft bisher positive Auswirkungen. Welche sind das?

Im Februar erhielten wir im Verhältnis zum gesamten Bestellungseingang rund sieben Prozent mehr Aufträge. Da die chinesische Lieferkette unterbrochen ist, bestellen Firmen wieder vermehrt bei regionalen Zulieferern.

Worin sind Sie stärker als chinesische Zulieferer?

Wir haben eine intakte Produktion und sind aufgrund unserer modernen Produktionsmethoden im 3-D-Verfahren in der Lage, schnell und ohne Werkzeuge bauen zu müssen, Bauteile zu giessen. Ich denke, die Flexibilität, Kontinuität und der Fokus auf Kleinserien sind Kriterien, die zählen. Ausserdem sind wir ein Familien-Unternehmen in fünfter Generation. Das vermittelt Kunden Tradition, Beständigkeit und eine gewisse Sicherheit.

Welchen Einfluss haben nun die ersten Corona-Fälle in der Schweiz aufs Geschäft?

Ein gewisses Restrisiko besteht nun auch bei uns, dass sich das Virus schnell ausbreitet und wir auch drastische Massnahmen ergreifen müssten. Will heissen, dass die Produktion im Falle einer Pandemie eingeschränkt oder im schlimmsten Fall unterbrochen werden müsste. Dann haben wir das gleiche Problem wie unsere asiatischen Mitbewerber.

Welche Massnahmen treffen Sie, um dies möglichst zu verhindern?

Aufklärung, Aufklärung, Aufklärung. Hygiene-Vorschriften beachten und verschärfen. Banale Anweisungen wie Begrüssungen per Händedruck werden nicht mehr gemacht oder vermehrte Reinigungen und Desinfektionsmassnahmen im Betrieb. Es sind überall Desinfektionsmittel vorhanden. Firmenreisen werden momentan eingestellt. Wir beobachten auch die privaten Reisetätigkeiten unserer Mitarbeiter und appellieren an die Eigenverantwortung, momentan die Reisetätigkeiten auf ein Minimum einzuschränken oder komplett darauf zu verzichten.

Wie lange können Sie Ihre Produktion in Zeiten des Coronavirus aufrechterhalten?

Ich hoffe, immer. Ich denke, wir haben alles, was in unserer Macht steht, getan. Es ist aber auch wichtig, dass wir jetzt nicht unnötig in Panik geraten und Angst verbreiten. Wichtig ist, die Angelegenheit ernst zu nehmen, die Massnahmen umzusetzen und dass unsere Mitarbeiter ihre Eigenverantwortung ernst nehmen. Dann werden wir keine Unterbrüche haben.

Wann müssten Sie Ihren Betrieb einstellen?

Wenn wir alle krank im Bett liegen und nicht mehr arbeiten können.

Was können Unternehmen aus dem Coronavirus für die Zukunft lernen?

Die globale Weltwirtschaft ist komplex vernetzt und man sieht, wie schnell und anfällig das ganze System wie im aktuellen Fall durch ein Virus gestört werden kann. Ich wünsche mir, dass vor allem auch die global tätigen Unternehmen sich wieder bewusster werden, dass eine regionale gut funktionierende Zulieferindustrie unverzichtbar ist. Dass eine zweite Versorgungsquelle generell gelebt werden muss und nicht erst dann, wenn Not am Mann ist.

Wie sieht es aktuell aus: Gehen Ihre Aufträge bereits wieder zurück?

Ich kann nur kurzfristig die Lage beurteilen. Wir gehen davon aus, dass durch die weltweite Unsicherheit und je nach weiterem Verlauf mit dem Coronavirus die Aufträge tendenziell zurückgehen werden. Dies kann unter Umständen sehr schnell der Fall sein.

Darina Schweizer