Die Proben laufen auf Hochtouren. Anfangs März, wird "Schuldlos" in der Wiler Tonhalle erstmals aufgeführt. z.V.G
1/1 Die Proben laufen auf Hochtouren. Anfangs März, wird "Schuldlos" in der Wiler Tonhalle erstmals aufgeführt. z.V.G
11.02.2020 06:55

Neuer Musical-Verein steht in den Startlöchern

Entstanden auf Initiative ehemaliger Studienfreunde formierte sich Ende 2018 der Wiler Musical-Verein «Vorderste Reihe». Im März bringt der Verein sein erstes Stück «Schuldlos» auf die Bühne – eine Geschichte über Sträflinge, die aus der Feder des Vorstandes selbst stammt.

Wil Spricht Lukas Pelzmann über Musicals, ist seine Leidenschaft unübersehbar. Der 26-Jährige ist Präsident des Wiler Vereins «Vorderste Reihe», der sich Ende 2018 formierte. Während des Studiums an der Pädagogischen Hochschule St.Gallen habe er in einem Kurs mit dem Theaterspielen angefangen und das Musical für sich entdeckt, erzählt Pelzmann. «Als das Studium zu Ende ging, habe ich gemerkt, dass eine richtige Leidenschaft entstanden ist, und ich wollte zusammen mit Freunden weitermachen.» Gesagt, getan – im Herbst 2018 fand die Gründungsversammlung des Vereines statt. «Wir hatten zuvor geschaut, ob es einen anderen Verein gibt, dem wir beitreten könnten, da es aber in der Region nichts gab, was auf uns zugeschnitten war, haben wir uns selbstständig gemacht», erzählt Pelzmann. In der Aula der Primarschule Niederuzwil, wo Pelzmann als Lehrer arbeitet, kam der Verein erstmals zusammen. Gut 30 Personen sind erschienen. «Dass so viele mitmachen wollten hat mich überrascht», sagt der Vereinspräsident. «Wie es scheint, haben wir eine offene Türe eingerannt.»

Start mit eigener Geschichte

Es habe zu Beginn auch kritische Stimmen gegeben. Ein Musical auf die Beine zu stellen sei schliesslich kein Sonntagsspaziergang, so Pelzmann. «Wie sieht es mit den Liedern und den Rechten dafür aus? Woher kommt die Geschichte? Wer spielt was? Sponsoring? Und so weiter. Wir haben aber einfach mal den Vorstand gegründet und geschaut, was passiert.» Der Mut scheint sich gelohnt zu haben. Ein Vorstandsmitglied habe ihr Amt mit einer so gut wie fertigen, selbst geschrieben Geschichte angetreten. Somit war die grösste Frage, nämlich, was will der Verein überhaupt auf die Bühne bringen, bereits beantwortet. «Das war eine mega Glücksfall», sagt Pelzmann. «Uns ist es wichtig, eigene Geschichten zu schreiben. Das steht auch so in unseren Statuten. Das Stück «Schuldlos» aus der Feder der Autorin Priska Högger handelt von Sträflingen in einem Gefängnis in den USA des 18. Jahrhunderts. Dem Gefängnisdirektor sind sie ein Dorn im Auge und er würde sie gerne hinrichten lassen. Nur fehlt ihm die Legitimation dazu. Diese soll ihm ein Priester liefern, der den Häftlingen die Beichte abnimmt. Sind die Sünden der Straftäter gross genug, so dürfte selbst Gott mit einer Hinrichtung einverstanden sein, so die Überlegung des Direktors. Schliesslich kommt aber alles anders.

«Handgemacht» und Engagement

Während die Geschichte selbst geschrieben ist, bedient sich der Verein bei der Musik bei Liedern anderer Musicals. «Die Musik auch noch selbst zu schreiben, wäre dann, zumindest für die erste Produktion, etwas viel gewesen», sagt Pelzmann. Doch auch mit «fremden», Liedern, bleibt genug Arbeit, da die Stücke auf die Szenen zugeschneidert werden müssen und umgekehrt die Szenen auf die Lieder. «Wir haben denn bei den Proben viel gelernt», erzählt der Vereinspräsident. Ansonsten setzt der Verein auf «Handgemacht» und das Engagement seiner Mitglieder. «Es ist fantastisch, wie diese mitmachen», erzählt Pelzmann begeistert. «Die einen schreinern in ihrer Freizeit Kulissen, andere schneidern Kostüme, alle sind auf Hochtouren am Vorbereiten.»

Nächstes Stück im Hinterkopf

Am 7. März wird die erste Produktion des neuen Musical-Vereins in der Wiler Tonhalle uraufgeführt. Die Proben laufen, die letzten Kostüme werden angepasst und die Kulissen gefertigt. Je näher der Zeitpunkt der Aufführung rückt, desto grösser wird beim Vereinspräsident die Vorfreude. «Ich bin wahnsinnig gespannt.» Im Hinterkopf hat er aber bereits die nächste Produktion – zwar keine konkrete Idee «aber den grossen Wunsch weiterzumachen.» Und nächstes Mal vielleicht sogar mit eigenen Liedern.

Marc Sieger