René Hübner mit einer kleinen Auswahl seiner beim Armwrestling gewonnen Pokale. Irgendwann will der 44-Jährige aus Zuckenriet dafür einen eigenen Raum schaffen, wo er sie schön aufstellen und präsentieren kann.
1/1 René Hübner mit einer kleinen Auswahl seiner beim Armwrestling gewonnen Pokale. Irgendwann will der 44-Jährige aus Zuckenriet dafür einen eigenen Raum schaffen, wo er sie schön aufstellen und präsentieren kann.
22.01.2020 06:55

Nach schwerer OP: Hübner kämpft sich zurück ins Leben

Kurz vor dem Start in die neue Saison hat beim erfolgreichen Armwrestler René Hübner aus Zuckenriet das Schicksal abermals zugeschlagen. Was folgte, war die 56. Operation in seinem Leben. Doch aufgeben kommt für den «Tetraparakönig» nicht in Frage. Vielmehr sollen 2020 weitere Titel folgen.

Armwrestling René Hübner fährt mit seinem Rollstuhl schwungvoll an den Esstisch in seiner Wohnung und greift zu den bereitliegenden Salzbrezeli. Nachdenklich erklärt er: «Mehr kann ich momentan noch nicht essen.» Hinter dem Zuckenrieter liegen schwere Wochen. Ein Zwerchfellbruch hat den Profisportler in seiner Vorbereitung weit zurückgeworfen. «Ich habe in nur sechs Wochen rund 25 Kilo abgenommen. Ich konnte nicht trainieren, kein Fitness machen», so Hübner. Für den 44–jährigen, der normalerweise zweimal pro Woche in die Physio, dreimal die Woche ins Crossfit und dazu auch noch zweimal ins Fitness geht, eine ungewohnte Situation. Trotz der schweren Operation hat der Armwrestler sich für die anstehende Saison aber hohe Ziele gesteckt. «Nach über 50 Operationen haben mir die Ärzte nach meinem schweren Badeunfall vor 14 Jahren prophezeit, dass ich nie mehr stehen oder gehen werde. Mein Ehrgeiz und mein Fleiss haben aber bewiesen, dass trotz diesem Schicksalsschlag alles möglich ist im Leben. Darum bin ich mir sicher, dass ich auch in dieser Saison etwas erreichen kann.»

Andere Gewichtsklasse

Durch den extremen Gewichtsverlust rutscht Hübner bei den anstehenden Wettkämpfen im In- und Ausland nun in eine andere Gewichtsklasse. Dies könne auch ein Vorteil sein: «Ich musste noch im letzten Jahr gegen sehr viel schwerere Gegener antreten, die sehr viel mehr Kraft hatten durch ihre Masse. Nun werden meine Wettkämpfe vielleicht ein bisschen ausgewogener, worüber ich gar nicht böse bin.»

Wettkämpfe in Osteuropa

Auf Hübner, der als einziger Rollstuhlfahrer in der Schweiz im Armwrestling antritt, warten in dieser Saison zahlreiche Wettkämpfe. Unter anderem die Europameisterschaften in Ungarn oder die Weltmeisterschaften in Georgien. An beiden Wettkämpfen will der Armwrestler aus Zuckenriet aufs Podest und so seine bereits beeindruckende Medaillensammlung erweitern. Dass die Wettkämpfe vorwiegend in Osteuropa stattfinden ist laut Hübner kein Zufall: «Unser Sport ist in diesen Ländern sehr viel populärer als in der Schweiz. Zudem gibt es da auch viel mehr Athleten, gerade solche die wie ich im Rollstuhl sitzen.» Für seine Wettkämpfe war Hübner schon in Bulgarien, Rumänien oder in Polen. Besonders gut hat es Tetraparakönig, so nennt man seine Behinderung, in Ungarn: «Budapest ist eine sehr coole Stadt, da nehme ich mir dann gerne auch ein paar Tage mehr Zeit und reise nicht nur für den Wettkampf dahin.» Allgemein sei man im Osten sehr gut auf Rollstuhlfahrer eingerichtet und auch die Bevölkerung sei sehr hilfsbereit gegenüber den Behinderten, so Hübner: «Es macht mir immer wieder sehr viel Spass, in den Osten zu reisen, auch weil die Wettkämpfe, an denen übrigens auch immer Fussgänger teilnehmen, sehr gut organisiert sind.»

Zukunft ungewiss

Auch wenn René Hübner motiviert in seine neue Saison startet, begleiten den 44–jährigen einige Sorgen. Die Sponsorensuche gestaltet sich schwierig und auch bei Swiss Olympic ist die Swissarmsportfederation, der Verein der Armwrestler, wegen zu wenigen Mitglieder nicht anerkannt. Hübner weibelt darum immer wieder um neue Mitglieder, was sich aber sehr schwer gestalte. Hübner selbst weiss noch nicht genau, wie lange er den Sport noch ausführen kann: «Ich hoffe noch sicher zwei Jahre. Wenn ich bis dahin keine neuen Sponsoren gefunden habe, was ich aber hoffe, reicht das Geld leider nicht um als Profisportler weiterzumachen.»

Lui Eigenmann