Insgesamt nahm die Kriminalität im Kanton St.Gallen ab. Dafür nahmen die schweren Verbrechen zu.
1/1 Insgesamt nahm die Kriminalität im Kanton St.Gallen ab. Dafür nahmen die schweren Verbrechen zu.
23.03.2020 11:30

Mehr schwere Gewaltdelikte im Kanton

2019 haben die schweren Gewaltdelikte im Kanton St.Gallen um 67 Prozent zugenommen. Wie die Kriminalistik des Kantons zeigt, haben besonders Vergewaltigungen zugenommen. Insgesamt ist die Kriminalität im Kanton aber zurückgegangen.

Kanton 45 Fälle von Vergewaltigungen registrierte die Kriminalpolizei des Kantons St.Gallen vergangenes Jahr. Das sind 27 Fälle oder 150 Prozent mehr als im Vorjahr. Wie Stefan Kühne, Leiter der Kriminalpolizei, erklärt, könnte diese markante Zunahme mit einer gesellschaftlichen Entwicklung bezüglich dem Anzeigeverhalten zusammenhängt. "Ich könnte mir vorstellen, dass dies mit grossen Prozessen in Amerika zusammenhängt und mit der Me-Too-Bewegung, die mehr Frauen dazu ermutigt habe, Sexualdelikte anzuzeigen", sagt Kühne. 89 Prozent Prozent der Vergewaltigungen konnten aufgeklärt werden. Stefan Kühne: "Oft kennen sich Opfer und Täter persönlich. Das führt zu einer sehr hohen Aufklärungsquote."

Weniger Kindsmisshandlungen

Erfreulicher bei den Sexualdelikten: Die sexuellen Handlungen mit Kindern haben um 63 Prozent abgenommen. Diese hohe Abnahme erklärt Kühne damit, dass es im Vorjahr einen "ganz tragischen Fall" gegeben hat, mit einem Täter und vielen Opfern. Das habe 2018 statistisch viele Fälle ausgelöst. 2019 sei hingegen ein "normales" Jahr.

Drogendelikte sind rückläufig

Die meisten Fälle über die ganze Statistik betrachtet wurden, wie bereits in den Vorjahren, im Bereich der Vermögensdelikte verzeichnet. Das sind Diebstahl, Betrug oder Sachbeschädigungen, die mit über 12'000 Straftaten fast die Hälfte aller verzeichneten Delikte ausmachen. Daneben machen die Verstösse gegen das Betäubungsmittelgesetz einen grossen Teil aus. Mit gut 4000 verzeichneten Straftaten nahmen diese jedoch um 29 Prozent ab. Dies liege daran, dass seit dem 1. März 2019 ein straffreier Einzug von Marihuana (bis 10 Gramm) sowie Kokain und Heroin (je bis 2 Gramm) möglich ist.

1231 Cyberdelikte

Erstmals wurden in der Kriminalstatistik die Zahlen des 2018 gegründete Kompetenzzentrum Cybercrime der St.Galler Polizei aufgeführt. Insgesamt erfasste das Kompetenzzentrum 1231 Cyberdelikte. Davon waren rund 75 Prozent Vermögensdelikte und 14 Prozent Sexualdelikte.

mas/pd