Gewerkschafter der Unia haben auf der Baustelle des Schlosses in Stettfurt Lohndumping-Fälle aufgedeckt.
1/1 Gewerkschafter der Unia haben auf der Baustelle des Schlosses in Stettfurt Lohndumping-Fälle aufgedeckt.
12.03.2020 08:46

«Lohndumping ist in der Schweiz an der Tagesordnung»

Das Schloss Sonnenberg – abgeschirmt und mit einem Baugerüst eingepackt. Seit fast zehn Jahren ist dies die Kulisse des einstigen Wahrzeichens. Vor einiger Zeit deckte die Unia einen Lohndumping-Skandal auf, woraufhin der Schlossbesitzer Anzeige erstattete. Jetzt hat das Gericht ein Urteil gefällt.

Stettfurt Der Sonnenberg wird von der Stettfurter Bevölkerung seit langem nur noch «Kranberg» genannt. Grund ist die seit fast zehn Jahren andauernde Baustelle um das Schloss Sonnenberg. «Ich war noch beim Schloss, als man noch einkehren konnte», sagt Nicolas Thalmann in der Umfrage zu den WN. Seit der Multimilliardär Christian Baha das Schloss gekauft hat, wird es umgebaut. Die Bauarbeiten scheinen nicht voranzukommen. Doch die Probleme traten erst recht auf, als Gewerkschafter der Unia im 2016 einen Lohndumping-Fall aufdeckten. «Bei einem Baustellenbesuch erhielt die Unia Hinweise darauf, dass die Bauarbeiter auf der Baustelle des Schlosses Sonnenberg zu sehr schlechten Arbeitsbedingungen schuften. 50 Stundenwochen zu einem Lohn von knapp 3000 Franken folgten auf Überstunden», sagt Danijela Basic, Zuständige für Kommunikation und Kampagnen der Unia Ostschweiz. Doch auf diesen Besuch der Gewerkschafter folgte eine Anzeige.

Trotz Verbot Baustelle betreten

Die «Schloss und Gut Sonnenberg AG» von Christian Baha zeigte die Unia an. Diese habe falsch gehandelt, da sie trotz Verbotsschild vor der Baustelle den Platz betreten hätten. Das Bezirksgericht hat jedoch nun den ersten der beiden angeklagten Unia-Gewerkschafter vom Vorwurf des Hausfriedensbruches freigesprochen. Dieses Urteil reihe sich nur in eine lange Liste von Gerichtsverfahren ein.

Skandale vertuschen

«Immer wieder versuchen Arbeitgeber und Privatkläger, die Arbeit der Gewerkschaften gezielt zu kriminalisieren. Doch die Absicht ist klar: Mit solchen Klagen soll verhindert werden, dass die Gewerkschafter in Kontakt mit den Arbeitnehmenden treten, diese über ihre Rechte informieren und von Missständen wie Lohndumping oder Problemen bei der Arbeitssicherheit erfahren», sagt Basic. Das Zutrittsrecht, von dem Gewerkschaften profitieren, wurde erst 2017 vom Bundesgericht erneut bestätigt. «Es muss den Gewerkschaften erlaubt sein, in direkten Kontakt mit den Angestellten treten zu können. Der Zutritt ist somit unglaublich wichtig, um gute Arbeitsbedingungen herzustellen und zu sichern», so Basic. Denn hätten die Gewerkschafter die Baustelle des Schlosses Sonnenberg nicht betreten dürfen, wäre dieser Lohndumping-Fall nie aufgeklärt geworden. Das Unterbezahlen von Arbeitern sei in der Schweiz ein weit verbreitetes Problem. «Lohndumping ist in der Schweiz leider an der Tagesordnung. Immer wieder machen skandalöse Fälle Schlagzeilen, wie auch der Fall Stettfurt. Das ist aber nur die Spitze des Eisbergs, da längst nicht alle Fälle aufgedeckt werden. Lohndumping ist gerade im Bau ein flächendeckendes Problem», erklärt Danijela Basic. Darum bemühe sich die Unia immer wieder, solche Fälle aufzudecken.

Jana Cucchia