Während fünf Wochen wurden beim Filmfestival jedes Jahr bis zu 40 Filme gezeigt.
1/1 Während fünf Wochen wurden beim Filmfestival jedes Jahr bis zu 40 Filme gezeigt.
14.02.2020 07:44

Kein Openair-Kino mehr in Wil

Nach einem Rekordjahr 2019 kommt jetzt der Paukenschlag: Nach zehn Jahren findet das Sunset Filmfestival auf dem Wiler Larag-Areal nicht mehr statt. Cinewil-Geschäftsführerin Felicitas Zehnder gewährt einen Blick hinter die Kulissen und in ihre Gefühlswelt.

Wil «Gut gegen Nordwind», so hiess der letzte Film, der am Abend des 31. August 2019 über die Leinwand des Sunset Filmfestivals gelaufen ist. Bei angenehmen 26 Grad genoss das Publikum den Familienroman mit Nora Tschirner in der Hauptrolle. Was zu diesem Zeitpunkt wohl niemand ahnte: Es war der letzte Film, der beim Sunset Filmfestival gelaufen ist. Denn wie nun bekannt wird, wird es das Openair-Kino so nicht mehr geben. Grund dafür ist, dass das LARAG-Gelände unmittelbar neben dem Sunset-Platz überbaut wird und die Lastwagen nicht mehr angrenzend umparkiert werden können. Somit bleibt für das Openair-Kino in Zukunft kein Platz mehr.

Alternative gesucht

Als Cinewil-Geschäftsführerin Felicitas Zehnder vom Verlust des Standortes erfuhr, stellte sie nach eigenen Angaben sogleich eine Anfrage bei der Stadt Wil, ob diese einen Alternativstandort für die LKWs zur Verfügung stellt oder ob man bei der Suche nach einem neuem Sunset-Standort helfen wird. «Da habe ich noch nicht ans Ende des Sunset gedacht», so die 50-Jährige nachdenklich. Fünf Monate später und nach der Prüfung etlicher anderer Standorte, die sie zusammen mit Max Forster, Leiter Umwelt bei der Stadt Wil prüfte, musste Zehnder einsehen, dass es keine Alternative gibt: «Wir haben das Klinikareal, die Thurau, das Zeughausareal oder das Gelände der IGP Pulvertechnik AG unter die Lupe genommen. Ohne Ergebnis. Mal war es zu laut, mal zu hell. Nichts hat gepasst. Ob nicht die Weierwiese ein geeigneter Standort gewesen wäre? Zehnder winkt ab: «Bei einer früheren Eingabe 2013 gingen 45 Unterschriften gegen unser Projekt ein. Ja, gar eine Moddrohung war dabei. Daher war schnell klar, dass wir keine Energie mehr in das Projekt 'Sunset auf der Weierwiese' steckten.» Aus der Sicht von Zehnder schätzt die Bevölkerung von Wil das Sunset zwar, aber niemand möchte es in seiner Nähe haben: «Damit wird ein Openair Kino verunmöglicht und ich denke nicht, dass es irgendwann wieder eine solche Veranstaltung in Wil geben wird.»

Keine Angst vor Regen

Felicitas Zehnder blickt nach der Odyssee der letzten Monate nun mit einem lachenden und einem weinenden Auge auf das Aus des Festivals: «Natürlich ist es schade, verschwindet ein so beliebtes Festival. Auf der anderen Seite aber kann ich wieder einmal einen normalen Sommer verbringen.» Für die Unternehmerin bedeutet das, im August nicht jeden Morgen den Wetterbericht zu prüfen, zu schauen ob ein Sturm aufzieht oder Regen einsetzen könnte. «Ich war immer auf Zack – 40 Tage lang – wenn man die Vorbereitung nicht mitrechnet.» Trotz der Anstrengungen blickt Zehnder auch gerne auf die Zeit zurück. Etwa auf den Abend, als der «Schellen-Ursli» lief, die ganze Film-Crew und dazu viele Kinder vor Ort waren oder an The Revenant, als nicht nur Leonardo DiCaprio den ganzen Film hindurch fror, sondern bei vier Grad auch das Publikum schlotterte. «Das Besondere am Sunset waren so oder so die äusseren Einflüsse. Etwa, wenn es sowohl im Film regnete wie auch bei uns in Wil oder etwa wenn der Zug am Sunset vorbeifuhr und es etwa im Film Slumdog Millionär ebenfalls gerade eine Zug-Szene gab. Das verursachte mehr als nur einmal Gänsehaut beim Publikum», schwärmt Zehnder.

Kino-Café im Vordergrund

Mit dem Aus des Filmfestivals bricht für das Cinewil, welches das Sunset jeweils veranstaltete, auch eine Einnahmequelle weg. Felicitas Zehnder macht sich aber keine Sorgen: «Mit dem Kino-Café, welches wir vor ein paar Wochen eröffnet haben, sind wir auf einem guten Weg.» Auch die Mitarbeiter und Studenten, welche jeweils am Sunset eingesetzt wurden, sollen in diesem Sommer im Kino-Café arbeiten. «Wer weiss, vielleicht steht ja diesen Sommer der eine oder andere Liegestuhl aus Sunset-Zeiten hier in der Stadt vor dem Kino», verrät Zehnder.

Lui Eigenmann