Hartmann
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12.01.2020 09:00

«Ich habe das Ziel, dass die Stadt Wil 'Die smarte Stadt im Grünen' wird»

In Wil könnte schon bald der Kampf ums Stadtpräsidium lanciert werden. Dann nämlich, wenn Susanne Hartmann am 8. März den Sprung in den Regierungsrat schafft. Die Städtpräsidentin selbst mag noch gar nicht an diesen Moment denken, wie sie im Interview mit den Wiler Nachrichten verrät.

Wil Susanne Hartmann, das neue Jahr ist erst ein paar Tage alt, auf was freuen Sie sich 2020?

Auf viele interessante Begegnungen mit Menschen und spannende Diskussionen und dass wir bei wichtigen Projekten einen grossen Schritt weiterkommen.

Wie haben Sie die Weihnachtsfeiertage verbracht?

Ich habe diese – wie jedes Jahr – gemütlich mit meinem Mann und meiner Familie verbracht.

Haben Sie sich für das neue Jahr einen Vorsatz genommen?

Nein. Obwohl ich den letztjährigen «Vorsatz», weniger Coca-Cola Zero zu trinken, im Ansatz eingehalten habe.

Am 8. März finden die Erneuerungswahlen für den Regierungsrat statt. Sie wollen den Sitz von Benedikt Würth erben. Stecken Sie schon im Wahlkampf?

Da die Nomination – im Gegensatz zu den anderen Parteien – doch eher spät erfolgte, begann der Wahlkampf am 1. Januar 2020.

Warum wollen Sie in die St.Galler Regierung?

Was Politik wirklich bedeutet, welche Gestaltungsmöglichkeiten, aber auch welche Herausforderungen dazu gehören, das erfuhr ich bereits in meiner Jugend – zu Hause am Familientisch. Politik fasziniert mich enorm. Dabei stehen für mich die Menschen im Zentrum. Politik ist der Raum, in welchem wir unser Zusammenleben gestalten – und das Zusammenwirken von Verwaltung und Politik. Immer mit dem Ziel, mehr Lebensqualität für die Menschen zu erreichen. Ich liebe mein Amt als Stadtpräsidentin. Aber ich bin überzeugt: Man soll die Chancen packen, wenn sie da sind.

Sollten Sie gewählt werden, müssten Sie nach sieben Jahren Ihr Amt als Wiler Stadtpräsidentin aufgeben. Was löst diese Vorstellung in Ihnen aus?

Ich darf gar nicht dran denken, schon gar nicht wegen meines Teams.

Als Regierungsrätin würden Sie Ihr Amt im Juni antreten, welche «Baustellen» wollen Sie bis dahin in Wil unbedingt schliessen?

Wir haben in Wil keine Baustellen, sondern grosse Projekte wie etwa die Oberstufe oder das Aggloprogramm, welche noch mehrere Jahre bis zur Umsetzung in Anspruch nehmen werden.

In einem Interview mit den «WN» forderte der bis dahin höchste Wiler, Marc Flückiger, die baldige Auswechslung von drei Wiler Stadträten. Was halten Sie von diesen Forderungen?

Nichts. Das Volk wählt den Stadtrat. Das ist demokratisch und das ist gut so.

Wissen Sie, wen Marc Flückiger genau meint?

Nein.

Wie ist derzeit die Stimmung im Wiler Stadtrat?

Die Stimmung im Stadtrat ist gut.

Im gleichen Interview attestiert Flückiger der Stadt Wil «Stillstand». Kommt Wil wirklich nicht mehr weiter?

Doch. Nur sind es eben umfassendere Projekte wie die Oberstufe 2020, die Schulraumplanung, die Netzergänzung Ost, der Bahnhofplatz, welche viel Zeit für die Realisierung in Anspruch nehmen. Wir haben aber den Quartiertreffpunkt erfolgreich umgesetzt, sind dran, die 3. Bauetappe des Hofs zu lancieren. Ausserdem ist die Planung «Wil West» weiter vorangeschritten sowie der neue Aktionsplan für Wil als kinderfreundliche Gemeinde (Zertifizierung UNICEF) wurde genehmigt. Ebenso konnten die Angebote für Deutschkurse für fremdsprachige Erwachsene ausgebaut werden.

Warum denn dieser «Stillstand-Vorwurf» von Marc Flückiger?

2020 stehen auch die Stadtratswahlen an.

Was erwarten Sie von diesen Wahlen? Wird es eine Verschiebung geben?

Diese Frage wird die Bevölkerung am 27. September beantworten.

Marc Flückiger wünscht sich für die Wahlen mehr Auswahl an Kandidaten. Mehr Menschen sollen sich für die Politik interessieren und mitwirken. Ist Politik unattraktiv?

Da fragen Sie wohl die falsche Person.

Marc Flückiger appelliert auch immer an Unternehmer, in die Politik einzusteigen. Sitzen die richtigen Leute im Stadtparlament?

Ja, nämlich jene, welche vom Volk gewählt wurden.

Warum politisieren Sie gerne?

Ich mache Politik, um die Lebensqualität der Menschen zu verbessern.

Würden Sie nicht gerne im nächsten Sommer am Wiler Weier, in einem kleinen «Bistro», einen Kaffee trinken?

Lieber einen Prosecco oder ein Glas Rotwein und dazu ein Crêpe essen.

Schule 2020 oder Gratisparkieren: Auch in diesem Jahr stehen viele spannende Entscheidungen auf der Agenda. Welche Diskussion muss noch unbedingt geführt werden?

Ich habe das Ziel, dass die Stadt Wil «Die smarte Stadt im Grünen» wird. So werden wir im 1. Quartal 2020 auch die Smart-City-Strategie lancieren.

Nach dem Amt als Stadtpräsidentin geht es vielleicht schon bald in den Regierungsrat. Haben Sie damit Ihr politisches Ziel erreicht oder soll der Weg weiter gehen?

Ich gehe jetzt erst einmal diesen Schritt und schaue, was daraus wird. Was die Zukunft bringt, wird sich zeigen.

Was, wenn Sie am 8. März nicht gewählt werden?

Dann hoffe ich sehr, dass mich die Wilerinnen und Wiler wieder zur Stadtpräsidentin wählen werden.

Sie wollen bei Ihrem Regierungsrats-Wahlkampf nahe bei den Leuten sein. Wie muss man sich das vorstellen?

Ich werde so oft wie möglich mit Menschen aus dem Kanton zusammentreffen – sei es bei Neujahrsbegrüssungen, bei öffentlichen Anlässen, an Standaktionen, am Bahnhof und so weiter.

Weist Ihre Agenda auch noch ein bisschen Platz für Freizeit auf in den nächsten Wochen?

Mein Beruf ist jetzt schon mein Hobby.

Was ist Ihr Ausgleich zur Politik?

Wenn ich Zeit mit meinem Mann und meiner Familie verbringen darf.

Interview: Lui Eigenmann