Harold Wagner hofft noch auf Schnee diesen Winter, denn bei diesen Umständen helfen auch die Schneekanonen nicht.
1/1 Harold Wagner hofft noch auf Schnee diesen Winter, denn bei diesen Umständen helfen auch die Schneekanonen nicht.
24.01.2020 07:00

Hier helfen selbst die Schneekanonen nicht mehr

Grüne Wiesen und Hügel. Was sich nach Sommer anhört, ist die derzeitige Realität an den Hängen von Oberwangen. An Skifahren ist nicht zu denken. Für die örtlichen Skilifte nicht immer einfach. Viele Helfer und Sponsoren sind oft die einzigen Lösungen, die Zuversicht schaffen.

Oberwangen Auf dem Weg zum Skilift Oberwangen trifft man nicht etwa auf die erwartete Winterwunderwelt. Knirschendes Gras und gefrorene Erde: Das ist alles, was man Mitte Januar an den Hängen von Oberwangen antrifft. Keinen einzigen Tag sind der Bügellift und der Ponylift des Dorfes bis jetzt in dieser Saison gelaufen. Für vergangenes Wochenende war Schnee angesagt, gesehen hat Harald Wagner, Vorstandsmitglied der Genossenschaft Skilift Oberwangen, aber immer noch nichts. Doch die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.

Betrieb steht still

Versteckt zwischen Wäldern und Häusern kommt der Skilift Oberwangen zum Vorschein. Mit Nebel verhangen und regungslosen Bügeln scheint die Anlage verlassen. Das ist nicht immer so. Wo normalerweise Kinder mit «Snowli», dem Maskottchen, Skifahren lernen und die Erwachsenen im «Arosa Stübli» etwas trinken, herrscht nun gähnende Leere. Denn das Wichtigste fehlt: der Schnee. Geschneit hat es in den vergangenen Wintermonaten praktisch nie, jedenfalls nicht genug, um die Anlage zu öffnen. Doch die Stimmung im Vorstand ist trotz allen Umständen gut. Sie können immer noch auf eine erfolgreichere Saison 2018/2019 zurückblicken. 31 schöne Wintersporttage konnten damals verzeichnen werden. «Wir hatten letztes Jahr keine Verluste, die Tage reichten also aus», sagt Wagner. Mit dieser positiven Einstellung will der Vorstand in diese Saison starten, auch wenn dieser verzögert kommt. Doch viel kann man hier nicht machen. Trotz sieben Schneekanonen. «Obwohl wir im Besitz von mehreren Schneekanonen sind, ist der Einsatz auch aus ökologischer Sicht nicht erstrebenswert», so Wagner. Der Aufwand, um aus grünen Wiesen verschneite Hänge zu zaubern, wäre zu gross. Damit sich das lohnen würde, bräuchte es eine natürliche Schneegrundlage und dauerhafte Minustemperaturen.

Unterstützung für Klein-Arosa

Dass die Skilifte nicht laufen, trifft die Genossenschaft nicht so stark, wie man meinen könnte. «Einzige Konsequenz ist für uns, dass der Skilift eben nicht läuft und es deshalb keinen Umsatz gibt», sagt Wagner. Mit 40 Sponsoren kommt sie gut durch den Winter. Da der Betrieb eine Genossenschaft ist und deren oberstes Ziel sei, den Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen eine Freizeitbeschäftigung anzubieten, lohne sich der Aufwand in diesem Sinne daher bereits ab einem Betriebstag, so Wagner. Ein Vorteil ist auch, dass in Oberwangen kein Tourismus herrscht und somit keine Löhne ausbezahlt werden müssen. «Somit ist ein allfälliges Defizit nicht so extrem spürbar.» Die Anlage wird von den Arosa Bergbahnen AG unterstützt. Was auch ein Grund ist, warum das Schneesportzentrum Klein-Arosa genannt wird. Dank ihm und vielen anderen Unterstützenden, konnte die Genossenschaft in den letzten 20 Jahren mehr Betriebstage verzeichnen als in den ersten 20 Jahren. Das man noch auf Schnee hoffen kann, erklärt Jürg Zogg, ehemaliger Wiler Botschafter und SRF Meteorologe.

Debora Baumann

Jürg, Zogg, SRF Meteo

«Langfristige Prognosen sind schwer zu machen. Doch was die Sportferien betrifft, muss auf dieser Höhe wie Oberwangen weiterhin mit grünem Rasen gerechnet werden. Mindestens bis Mitte nächster Woche, möglicherweise länger. Wir leben in einem Zeitalter des Klimawandels. Die Wintermonate fallen im Mittel wärmer aus als früher. Deshalb wird in Dörfern wie Oberwangen, die unter 800 Metern über Meer liegen, seit 1970 eine Halbierung der Anzahl Tage mit Schneefall beobachtet. Aber auch in einem veränderten Klima sind schneereiche Winter möglich, dies zeigt das letzte Jahr mit viel Schnee im Januar. Für Schneefall braucht es neben Kälte auch Niederschlag. Und dieser ist im hochdruckbestimmten Januar 2020 bis jetzt Mangelware.»