Mit Klebeband werden die Vitrinen von Ruedi Schär, Herbert Weber und Elisabeth Kleine entfusselt.
1/1 Mit Klebeband werden die Vitrinen von Ruedi Schär, Herbert Weber und Elisabeth Kleine entfusselt.
25.01.2020 07:00

Nach 120 Jahren erhalten die "Wiler Tüüfel" ihr Gewand wieder

425 Jahre voller wilder Umzüge, «Schellen» und «Suublotere»: Solange gibt es den Brauch der «WilerTüüfel» nun schon. In der Ausstellung zum Jubiläumsfest kann all die Zeit durchlebt und so auf die eine oder andere Frage eine Antwort gefunden werden.

Wil Von weitem hört man sie mit ihren Glocken schon kommen. Gerade noch früh genug, um sich vor den gefürchigen «WilerTüüfel» in Sicherheit zu bringen. Schon seit Jahrhunderten machen sie in der Fastnachtszeit Wil und die Umgebung unsicher. Die traditionsreichen Figuren mit ihren Hörnern, Gewändern, Fellen und natürlich den «Suubloteren» feiern dieses Jahr ihr 425-jähriges Jubiläum. Zu diesem Anlass wird von der Wiler Tüüfelsgilde ab dem 25.Januar während fünf Wochen eine Tüüfelausstellung im Baronenhaus zur Geschichte des Brauchs durchgeführt, und das mit besonderen Ausstellungsstücken aus alten Zeiten.

425 Jahre und mehr?

«Wann der Brauch des 'WilerTüüfels' wirklich entstanden ist, weiss keiner so genau», sagt Herbert Weber, Altgildenmeister und Ehrenmitglied. Die Ersterwähnung aber war in der Chronik der Stadt Wil des Jahres 1595. Darin steht vom damaligen Ratschreiber geschrieben, dass in der Fastnachtszeit junge Männer «in ungewonnliche Teuffels Kleyder» ihr Unwesen treiben würden. So begann die geheimnisvolle Geschichte um die sonderbaren Figuren und den Wiler Brauch. Diese zog dann mit der Zeit den ersten «Tüüfelwagen» im 1994 und die Entstehung der Wiler Tüüfelsgilde im Jahr1996 nach sich. All diese Höhepunkte seit den 70er Jahren wurden in einem Film von Stadtarchivar Werner Warth dokumentiert und zusammengeschnitten. Auch dieser wird dann an der kommenden Ausstellung zus ehen sein.

«WilerTüüfelsgwand»

HerbertWeber ist nun schon seit Mai fast täglich an den Vorbereitungen der Ausstellung dran. Zuzusehen, wie nun die einzelnen Ausstellungsstücke eintrudeln und aufbereitet werden, ist für ihn als Teil der «WilerTüüfel» eine grosse Freude. Besonders viele Formulare mussten für den Stolz der Ausstellung ausgefüllt werden: dem «WiilerTüüfelsgwand». Das uralte und traditionsreiche Originalgewand ist im Zürich Landesmuseum ausgestellt. Für diese Tüüfelausstellung findet das Gewand nach rund 120 Jahren wieder den Weg zurück an seinen Ursprungsort: nach Wil. Schon von vielen Profiaugen ist das Gewand unter die Lupe genommen worden. In Deutschland ist dieses gar als das «WilerTüüfelskostüm» bekannt. Einige Geheimnisse um das original Teufelsgewand konnten so gelüftet werden und werden an der Ausstellung den Interessierten offenbart. Doch ganz alles ist nicht ans Licht gekommen. «Trotz Forschungen bleibt einiges noch im Dunkeln», sagt Weber.

Sicherheit wichtig

Mit Argusaugen begutachtet Elisabeth Kleine, Zuständige vom Zürich Landesmuseum, den Ausstellungsraum, in dem das «WilerTüüfelsgwand» ausgestellt werden soll. Mit schrägem Blick dreht sie sich zu Herbert Weber um, alsd ieser dann erklärte, dass die kostbare Wiler Maske an ein Gitter gehängt und im offenen Raum ausgestellt werdens oll. Ständige Bewachung während der Ausstellung und einn euer Platz in einer abgeschlossenen Vitrine beruhigen sie letztlich. Unwichtig sind dieExponate für die Schweizer Geschichte nämlichn icht. «Man muss sehr vorsichtig sein», sagt Kleine, als sie behutsam mit Handschuhen die Kleidungsstücke in die vorgesehenen Vitrinen legt.

Stadt und Bevölkerung helfen

Auch das Stadtmuseum Wil mit Werner Warth hat sein Archiv nach «WilerTüüfel»-Sachen durchforstet. Schellen, Masken und Bilder sind zum Vorschein gekommen und wurden der Gilde für die Ausstellung ausgeliehen. Doch nicht nur die Stadt beteiligt sich am Jubiläumsfest, auch die Bevölkerung. Dank Privatpersonen durften viele Gemälde und Masken zur Ausstellung hinzu gezählt werden. Ausserdem gehören Holzschnitte vom Wiler Künstler Karl Peterli unda uch die original Fahne der Fastnachtsgesellschaft Wil dazu. «Es ist erstaunlich, wie viel Hilfsbereitschaft rund um die Gilde da ist, von innen wie auch von aussen», sagt Weber. «Das kann man mit keinem Fussballverein vergleichen.»

Neuer «Tüüfelwagen»

Herbert Weber durfte als damaliger Vereinspräsident schon beim ersten «Tüüfelswagen» dabei sein und freut sich jetzt schon auf die Enthüllungd es neuen am kommenden Samstag. Ein weiteres Highlight wird auch die Versteigerung eines einzelnen Ausstellungsstückes an der Finissage am 25. Februar sein. Dieses wartet noch auf seine Enthüllung am Samstag.

Debora Baumann

Das steht die nächsten Wochen auf der Tüüfel-Agenda

Kommenden Samstag wird die Ausstellung der «WilerTüüfel» im Baronenhaus eröffnet. Vom 25.Januar bis 25.Februar wird die Geschichte der Gilde vorgestellt und es werden viele verschiedene Ausstellungsstücke aus verschiedenen Zeitepochen zu bestaunen sein. Die Öffnungszeiten sind von Mittwoch bis Sonntag jeweils von 14 bis 17 Uhr. Die offizielle Vorstellung des neuen «Tüüfelwagen» mit «tüüflischem» Glühwein findet am Samstag, 25.Januar, 16 bis 17Uhr, auf dem Hofplatz in Wil statt. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen bei der ersten öffentlichen Präsentation des Wagens dabei zu sein. Am 25. Februar geht die Tüüfelausstellung dem Ende zu und ein besonderes Jubiläumsstück kann ersteiger twerden.