Hier in der Mörenau zwischen Wuppenau und Rossrütti ist Heidi Eigenmann dem Wolf begnet - nur wenige Meter von ihrem zu Hause entfernt. mas
1/2 Hier in der Mörenau zwischen Wuppenau und Rossrütti ist Heidi Eigenmann dem Wolf begnet - nur wenige Meter von ihrem zu Hause entfernt. mas
Der Wolf tappte am Samstagmorgen kurz nach 7 Uhr beim Kadaver eines Rehbocks in der Nähe von Rossrüti in die Fotofalle
2/2 Der Wolf tappte am Samstagmorgen kurz nach 7 Uhr beim Kadaver eines Rehbocks in der Nähe von Rossrüti in die Fotofalle
06.02.2020 06:55

Gerissenes Schaf in Rossrüti – Wuppenauerin begegnet Wolf

Ein Wolf hat vergangenes Wochenende in Rossrüti ein Schaf gerissen. Der Angriff bewegt nun Politiker sowie auch Anwohner. So zum Beispiel Heidi Eigenmann, die dem Wolf am Samstagabend begegnet sein will.

Wil «Der Wolf hat mich angeschaut, ich habe ihn angeschaut, dann ist er davon gerannt.» Heidi Eigenmann, wohnt im Weiler Mörenau bei Wuppenau. Am Samstagabend gegen 19.15 Uhr sei ihr dort ein Wolf begegnet. «Ich kam von der Arbeit nach Hause. Kurz vor dem Haus habe ich ihn gesehen, etwa 200 Meter von mir entfernt am Waldrand.» Sie sei sich zu 99.99 Prozent sicher, dass es ein Wolf gewesen sei. «Für einen Fuchs oder Hund war das Tier zu gross.» Der Verdacht ist naheliegend, dass es sich um den gleichen Wolf handelt, der am Samstag in Rossrüti ein Schaf und einen Rehbock gerissen hat. Wie das Amt für Natur, Jagd und Fischerei des Kantons St.Gallen mitteilt, hätte ein Landwirt in Rossrüti ein totes Lamm gefunden, das die für einen Wolfsriss charakteristischen Bissverletzungen aufweise. Zuvor sei ein ebenfalls toter Rehbock gefunden worden. Eine beim Kadaver installierte Videofalle habe den Beweis geliefert, es handle sich um einen Wolf. Dieser sei zu seiner gerissenen Beute zurückgekehrt.

«Problem wird immer grösser»

Der Angriff in Rossrüti ist nicht der erste in der Region. Vermutlich ist der Wolf aus dem Thurgau gekommen. Ende Januar wurden in Tägerschen sowie in einem Stall in der Nähe von Thundorf Schafe gerissen. Die Wahrscheinlichkeit sei gross, dass es sich dabei um einen Wolf handle, hiess es damals bei der Jagd- und Fischereiverwaltung, des Kantons Thurgau. Für den Kantonsrat Sepp Sennhauser, der in Rossrüti wohnt, ist der Angriff, nun praktisch vor der eigenen Haustüre, der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt. Es müsse nun etwas getan werden, findet er. Dazu hat er eine Interpellation formuliert, die er in der nächsten Session des Kantonsrates einreichen will. Mit dieser will er die St.Galler Regierung anregen, Pläne zu machen, falls Wolfsrisse in der Region zunehmen würden. «Man hört ja mittlerweile alle paar Wochen etwas von Wolfsrissen. Sei es im Rheintal oder nun hier bei uns. Das Problem wird immer grösser.» Er kenne den Landwirt, dem das gerissene Schaf gehört hatte. Der Wolf habe es nicht etwa auf der Weide, sondern im Stall getötet, sagt er. Und da liege das Problem. «Die Region ist zu dicht besiedelt für einen Wolf. Der gewöhnt sich an den Menschen und verliert die Scheu.» Sennhauser, der selbst Landwirt ist, macht sich Sorgen. «Es hätte auch mich treffen können.» Eine mögliche Lösung wäre die Lockerung des Wolfsschutzes, über die das Volk im Mai im Rahmen der Revision des Jagdgesetzes abstimmt. Mit dieser wäre neu der Abschuss von Wölfen möglich. Sennhauser will aber nicht das Ergebnis der eidgenössischen Abstimmung abwarten. «Der Kanton braucht jetzt einen Plan.»

«Der Wolf hat keinen Platz»

Auch auf Heidi Eigenmann hat das Auftauchen des Wolfes und die Begegnung mit ihm Eindruck gemacht. «So etwas sieht man nicht jeden Tag.» Nach der Sichtung am Samstag habe sie am nächsten Morgen im Garten ihres Hauses Spuren gefunden. «Ich vermute das war der Wolf, kann es aber nicht hundertprozentig sagen, da in der Nacht viele Tiere um das Haus streichen.» Angst habe sie aber keine. «Der Wolf ist ja eigentlich ein scheues Tier. Der flieht, eher als einen Menschen anzugreifen.» Vielmehr stimme sie die Begegnung mit dem Wolf nachdenklich. Denn – und da stimmt sie mit Sepp Sennhauser überein – in der dicht besiedelten Region habe der Wolf keinen Platz «und vermutlich auch keine Zukunft.»

Marc Sieger