Susann Schuh unterstützt mit "Helfende Hand" Jonschwiler Corona-Risikopatienten beim Einkauf. das
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Susann Schuh unterstützt mit "Helfende Hand" Jonschwiler Corona-Risikopatienten beim Einkauf. das
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23.03.2020 06:55

«Es gibt immer Helfer, das darf man nie vergessen»

Sie gehörte zu den Ersten, die in der Schweiz eine Solidaritätswelle gegen das Coronavirus in Gang setzten: Susann Schuh unterstützt mit der «Helfenden Hand Jonschwil» Risikopatienten beim Einkaufen. Mittlerweile hilft sogar die Gemeinde mit – und telefoniert Haushalte ab.

Jonschwil Eine ruhige Minute hatte Susann Schuh vergangene Woche nicht. Sie erhielt Anrufe, Whats- app- und Facebooknachrichten am laufenden Band. Der Grund: Die Schwarzenbacherin hat das Projekt «Helfende Hand» ins Leben gerufen. Sie schickt freiwillige Helfer zu Corona-Risikopatienten, die Unterstützung beim Einkauf benötigen. «Ich wollte schon lange etwas in der Gemeinde machen, um sich gegenseitig auszuhelfen. Als das Coronavirus kam, wusste ich: 'Jetzt oder nie'.» Schuh erstellte die Facebookseite 'Helfende Hand Jonschwil' und schaltete einen Aufruf. In der Ostschweiz war sie eine der Ersten, die eine solche Hilfsaktion ins Leben rief. Kaum verwunderlich, suchten in den vergangenen Tagen schon Menschen aus der ganzen Schweiz, wo überall ähnliche Angebote entstehen, bei ihr Rat. «Ich versuche allen zu antworten. Doch ich möchte mich auf Jonschwil beschränken. Hier habe ich gerade begonnen.»

Es fehlt noch an manchem

Vor wenigen Tagen konnten Schuh und ihre Helfer die ersten Flyer drucken, um auf das Hilfsprojekt aufmerksam zu machen. «Risikopatienten haben oft kein Facebook. Deshalb versuchen wir, sie anders zu erreichen und haben Flyer bei Ärzten, Tank- und Bushaltestellen hinterlassen.» Auch mit den Dorfläden sprach Schuh – der Spar Schwarzenbach habe angeboten, beim Zusammenstellen der Einkäufe zu helfen. Und seit kurzem hilft sogar die Gemeinde – die extra eine Sonderausgabe ihres Mitteilungsblattes mit einem Hinweis auf Schuhs Projekt druckte –, Risikopatienten zu unterstützen. Lehrlinge erkundigen sich telefonisch bei über 65-Jährigen, ob sie Hilfe benötigen. «Es ist super, dass in Jonschwil alle am selben Strang ziehen», sagt Schuh erfreut über die Solidarität in der Gemeinde. Seit wenigen Tagen hat die «Helfende Hand» auch eine eigene Telefonnummer. Nun sucht Schuh noch Freiwillige, die beispielsweise Anrufe entgegennehmen oder Einsatzlisten führen.

Kleines Team bereits im Einsatz

Obwohl noch viel getan werden muss, das Team um Schuh formiert sich langsam. Sechs freiwillige Helfer sind im Einsatz. Sie holen Einkaufstaschen, Bargeld und Einkaufslisten bei Risikopatienten ab und machen sich auf den Weg. «Wir kaufen Lebensmittel und Medikamente ein, aber Hamsterkäufe erledigen wir nicht», betont Schuh. Nach dem Einkauf bringen die Helfer die vollen Tüten, das Rückgeld und die Quittung wieder zurück. «Für die Bezahlung habe ich noch keine andere Möglichkeit gefunden als Bargeld. Die Kreditkarte kann man den Helfern ja schlecht mitgeben. Auch Twint haben die meisten älteren Leute nicht.» Auch über die Hygienevorschriften musste sich Schuh Gedanken machen: Wie sollen sich Helfer und Risikopatienten begegnen? Um klare Verhältnisse zu schaffen, hat Schuh Verhaltungsregeln für ihre Helfer aufgestellt. So müssen sie gesund sein, keine Krankheitssymptome haben, sich vor und nach dem Einsatz die Hände waschen und viereinhalb Meter Abstand zu den Risikopatienten einhalten. Zurzeit testet Schuh, ob auch eine Übergabe des Geldes per Milchkasten möglich wäre oder die Einkaufstaschen vor die Tür gestellt werden können, um Ansteckungen zu verhindern.

Hoffnungsvoll in die Zukunft

«Es kommt nun sehr viel Organisation auf uns zu», sagt die Schwarzenbacherin. Sie ist sich jedoch sicher, dass es Jonschwil gelingt, gemeinsam die Krise zu überstehen. Sie freut sich, dass sich seit kurzem auf der Internetseite www.hilf-jetzt.ch immer mehr Gruppen formieren, die helfen. «Es gibt immer Helfer. Das darf man nie vergessen», sagt sie. Deshalb steht auf der Facebook-Seite der «Helfenden Hand» auch Fred Rogers Zitat: »When I would see scary things in the news, my mother would say to me, 'Look for the helpers. You will always find people who are helping.'»

Darina Schweizer