In der Hundephysiotherapie bei Regina Schmuki-Flater in Wuppenau können sich Vierbeiner entspannen. das
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Regina Schmuki
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23.01.2020 06:55

Entspannung von Kopf bis Pfote

Physiotherapie gibt es längst nicht mehr nur für Menschen. Auch Hunde können sich bei Rheuma und Hüftproblemen therapieren lassen. Ob auf dem Unterwasserlaufband, der Magnetfeld- oder Massagematte: Regina Schmuki sorgt in Wuppenau für Tiefenentspannung bei den Vierbeinern.

Wuppenau Kaum hat sich das Gartentörchen vor Regina Schmukis Haus in Wuppenau einen Spalt breit geöffnet, drücken sich zwei feuchte Fellnasen hindurch und stürmen über die Wiese. Nur zwei Details trüben die Unbekümmertheit der beiden. Die Bewegung des grösseren Hundes wirkt leicht stockend, die kleinere Hündin geht etwas in den Knien. Irgendetwas ist nicht so, wie es sein sollte. Ihre Besitzerin nickt. «Dakota hat Hüftdysplasie und läuft nicht rund. Und Caipi hat Knieprobleme. Deshalb bin ich hier.» Sie winkt Regina Schmuki zu, die vor dem Eingang ihrer Hundephysiotherapie steht und schon strahlend auf ihre ersten Patienten wartet. Übermütig stürmen Dakota und Caipi auf sie zu. Eindeutig ein «Arzttermin», der Freude macht. Das machen die Hunde unmissverständlich klar, als sie in den Therapieraum stürmen und sich auf das Massagemättchen werfen. Die beiden wissen bereits, was sie erwartet.

Typische Beschwerden

Regina Schmuki kniet sich zu Dakota hinunter, der ausgestreckt auf der blauen Kuscheldecke neben einem Gymnastikball, einer Magnetfeldmatte und einem Ultraschallgerät liegt. Sachte nimmt sie sein Vorderbein in die linke Hand und lässt es kreisen, gleichzeitig arbeitet sie sich mit der rechten Hand seinen Rücken entlang. «Sehr schön, die Gelenke sind frei. Nur der Nacken ist noch etwas verspannt», sagt die gelernte medizinische Therapeutin, die sich zur Hundephysiotherapeutin ausbilden liess. Sie massiert den Rüden mit gekonnten Griffen. Dakota kneift genüsslich die Augen zusammen und seufzt. Entspannung pur. Zeit für die andere Seite. Dakota lässt sich widerstandslos umkehren. Währenddessen verfolgt Caipi aufmerksam, was mit ihrem «Bruder» passiert. Dann japst sie auf. Sie weiss, dass sie jetzt dran ist. Schmuki massiert auch die kleine Hündin, danach geht sie auf eine grosse, gläserne Box zu. Sie lässt eine Wand herunter. Caipi trippelt in den Behälter und Schmuki schliesst ihn. Plötzlich gurgelt es an Capipis Füssen, ihre Ohren stellen sich vor Vorfreude auf. Wasser schiesst ins Becken. Bald sind ihre Füsschen bedeckt, dann die Knie und letztlich auch das Bäuchlein und die Schultern. Schmuki schaltet das Laufband an. Caipi beginnt zu marschieren. «Caipis und Dakotas Beschwerden sind typisch. Grosse Hunde haben eher Hüft-, kleine Knieprobleme. Auf dem Unterwasserlaufband können sie sich schonend bewegen. Auch nach einem Beinbruch oder bei Arthrose ist das nützlich, da ein Hund so langsam wieder alle vier Beine bewegen kann», erklärt Schmuki. Arthrose, Hüftprobleme, Versteifungen – Hunde und Menschen teilen sich ihre Beschwerden.

Hohes Alter und Überzüchtung

Doch was sind die Ursachen bei den Vierbeinern? «Auch die Hunde werden immer älter. Ausserdem kann die Überzüchtung einen Einfluss haben», so Schmuki. Umso erfreulicher sei es, sagt sie lächelnd, dass die Physiotherapie bei Caipi und Dakota anschlage. Caipi hat unterdessen fertig gestrampelt. Schmuki lässt das Wasser ablaufen und die Hündin wieder aus der Box raus. Sie stülpt ihr ein oranges Bademäntelchen über, damit sie sich draussen nicht erkältet. Dann gibt es für Caipi und Dakota zum Abschied ein Leckerli. Beide stürmen zur Tür heraus. Und tatsächlich: Ihre Bewegungen sind geschmeidiger, ihre Beschwerden fast nicht mehr sichtbar. Kaum sind die beiden hinter der Hausecke verschwunden, gucken zwei braune, ängstliche Kulleraugen hervor. Es ist Kovu, der erst das zweite Mal bei Schmuki ist. Er traut der ganzen Sache nicht wirklich.

Therapieren statt operieren

Langsam und vorsichtig geht Schmuki in die Knie und streckt ihm die Hand hin. Zögerlich schnuppert er daran. «Alles gut», beruhigt ihn Schmuki, «schau dir zuerst alles einmal an.» Kovu betritt zaghaft den Therapieraum. Er zieht mehrere Runden durch das Zimmer, beschnuppert alles, bevor er sich auf das Massagemättchen setzt. Seine Hinterbeine kippen leicht «froschartig» auf die Seite – er offenbart, wo seine Beschwerden liegen. «Kovu hat Hüft- und Rückenprobleme», erklärt Schmuki. «Deshalb sitzt er so.» Eventuell wäre eine Operation möglich. Doch dafür müsste er für eine genauere Abklärung in die Röhre für ein MRI und das möchte Kovus Besitzerin nicht. «Ich wollte es auf eine andere Weise versuchen», sagt sie, «Kovu ist ja so ein Ängstlicher. Deshalb kam ich zu Regina.» Die Hundephysiotherapeutin lächelt und streicht Kovu behutsam über den harten, verspannten Rücken, mit dem er sich in den letzten Wochen aufgrund seines schwachen Hüftgelenks beim Gehen versuchte aufzufangen. Es braucht mehrere Anläufe, bis sie ihn zum Hinlegen bewegen kann. Doch dann fasst er Vertrauen. Schmuki knetet seiner Wirbelsäule entlang, lockert die Muskeln nach und nach. Es dauert lange, und Kovu zuckt zwischendurch immer wieder leicht zusammen, doch dann werden die Hundemuskeln weicher. Und nicht nur diese. Auch der ängstliche Blick in Kovus Augen weicht nach und nach einer Gelassenheit. Und so holt er sich letzlich auch sein hart verdientes Leckerli und trottet durch das Gartentörchen von Schmuki nach Hause: entspannt und gelöst.

Darina Schweizer