Anina Zeller ist seit dreieinhalb Jahren leidenschaftliche Rugbyspielerin.
1/3 Anina Zeller ist seit dreieinhalb Jahren leidenschaftliche Rugbyspielerin.
Die Frauenrugbymannschaft St.Gallen
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Anina Zeller ist seit dreieinhalb Jahren leidenschaftliche Rugbyspielerin.
3/3 Anina Zeller ist seit dreieinhalb Jahren leidenschaftliche Rugbyspielerin.
09.10.2019 07:00

Eine Familie mit blauen Flecken und ab und an einer gebrochenen Nase

Japan steht zurzeit unter dem Zeichen des Rugbys. Dass man sich bei dieser Sportart wohl einige Verletzungen zuziehen kann, ist klar. Doch wie ist es, Rugby zu spielen? Anina Zeller ist erfolgreiche Rugbyspielerin und erklärt, was es zu beachten gibt.

Rugby «Fussball ist ein Sport für Gentlemen, der von Hooligans gespielt wird. Rugby ist ein Spiel für Hooligans, das von Gentlemen gespielt wird», sagt die 21-jährige Rugbyspielerin Anina Zeller und grinst. «Ich denke, dieses Zitat beschreibt mein Hobby ziemlich genau.» Vor dreieinhalb Jahren suchte Zeller eine neue Herausforderung. Das Volleyballspielen machte ihr Spass, aber «ich suchte ein besseres Ventil zum Abschalten. Ich erinnerte mich daran, dass wir in Blauringlagern Rugbyähnliche Spiele durchführten. Ich dachte mir: Warum probiere ich es nicht einmal mit Rugby?» Eine kurze Internetrecherche, eine E-Mail und eine Schnupperstunde später war Zeller dabei. Ihren Sportartenwechsel hat die Flawilerin nie bereut. Dennoch, die Reaktionen, als Zeller erzählte, sie spiele Rugby, waren unterschiedlich. «Meine Mutter war zu Beginn verunsichert, sie hatte Angst, dass ich mich verletze.» Auch einige Vorurteile musste sich Zeller anhören. «Warum sie das mache. Rugby sei doch ein Männersport.» Lächelnd winkt die junge Spielerin ab. «Von wegen, es gibt viele Frauen, die diese Sportart spielen. Klar braucht es zu Beginn etwas Überwindung.» Doch man werde schnell sehen, dass Rugby besonders sei.

Das Fallen üben

«In unserer Mannschaft sind wir wie eine Familie», sagt Zeller. Aktuell spielen bei der Frauenrugbymannschaft, den Cindies in St.Gallen, 24 Spielerinnen mit. Das Training findet zwei Mal pro Woche statt. Immer dienstags und donnerstags von 19.00 Uhr bis 20.45 Uhr trainieren die Spielerinnen auf dem Breitfeld. Wobei die Spielerinnen genau lernen, wie die Gegner zu tacklen sind. «Tacklen darf man nur diejenige Person, welche im Ballbesitz ist. Somit ist man auf mögliche Angriffe viel gefasster.» Die Spielerinnen würden dabei auch lernen, wie sie fallen müssen, um sich nicht zu verletzen. Geschützt sind sie durch einen Mundschutz, viel Tape und allenfalls durch einen Scrumcap. «Bis ich meine ganze Ausrüstung anhabe, brauche ich jeweils 15 Minuten.» Verletzungen seien natürlich nicht auszuschliessen. Blaue Flecken haben die Spielerinnen ständig. Zeller musste ein Spiel auch mal mit einer gebrochenen Nase verlassen. «Das kann passieren.»

Die Achtung fehlt nie

Die Regeln bei Rugby sind klar: Tacklen idealerweise nur ab der Hüfte abwärts und die Pässe sind korrekt auszuführen. Darüber hat der Schiedsrichter ein wachsames Auge. Er ist deshalb die meist geachtete Person auf dem Spielfeld. Sein Wort gilt. So werde eine rote Karte, welche einen Platzverweis mit sich bringe, auch ohne Murren angenommen. Nach den Spielen, welche zwei Mal 40 Minuten dauern, würden beide Teams zusammen grillieren und dabei sage man sich schon mal: «Wow, dein Tackle war wirklich gut.» Es werden dann auch Auszeichnungen für die beste Spielerin des Matches verliehen. «Der Zusammenhalt ist gross. Und genau das macht Rugby besonders.»

Rugby für alle

Zurzeit haben die Cindies noch zwei Spiele der Vorrunde vor sich. Danach ist Winterpause, wobei der Fokus vor allem auf Fitness und Krafttraining gelegt werde. Dann steht ein Plauschturnier an und im April geht es mit der Rückrunde weiter. Im Juni ist das Finale. Die Cindies spielen in der zweiten Liga und klar sei das Gewinnen auch ein Ziel, vor allem, weil der Finaleinzug in der letzten Saison nur knapp verpasst wurde. Der Fokus werde aber vorerst auf etwas anderes gelegt. «Es ist wichtig, dass wir genügend Spielerinnen sind, damit wir in die erste Liga aufsteigen können.» Denn dort müssen immer 15 Spielerinnen auf dem Platz vertreten sein. Für acht weitere Spielerinnen sei auf der Bank Platz. Wobei dies in der zweiten Liga auch ab und zu variieren könne. Zellers Ziel ist es, eines Tages in der Nationalmannschaft als Stammspielerin spielen zu können. Doch, der Fokus liege vorerst auf der Teambindung. «Rugby ist eine Sportart, welche jeder und jede spielen kann, unabhängig davon, wie alt man ist oder woher man kommt.»

Francesca Stemer

Auf einen Kakao-Talk mit Anina Zeller

Wer denkst du, wird die Rugbyweltmeisterschaft für sich entscheiden?

Ich denke, das wird Neuseeland sein. Sie sind eine sehr starke Mannschaft und konnten bereits zwei WM-Titel für sich verbuchen und nun könnte ein dritter Sieg in Serie folgen, was sie noch hungriger macht.

Welches sind denn allgemein die besten Teams?

Südafrika, Neuseeland, England und Irland. Und natürlich eine grosse Überraschung in diesem Jahr: Japan.

Welches ist deine Lieblingsmannschaft?

Ganz klar Neuseeland. Sie sind ein physisch sehr starkes und dynamisches Team.

Welche/n Lieblingsspieler/in würdest du gerne auf einen Kakao-Talk treffen?

Oh, das ist schwierig zu beantworten. Es gibt sehr viele Spieler, welche ich bewundere und ich gerne treffen würde. Aber wenn ich mich für jemanden entscheiden müsste, wäre es wohl Portia Woodman. Sie spielt für Neuseeland. Und wenn sie auf dem Platz steht, dann merkt man das auch. Ist sie im Ballbesitz, dann gibt es für sie kein Halten mehr.

Ist es schwierig, sich als Frau im Rugby zu behaupten?

Es ist sicher schwieriger. Das sieht man ja bei Frauenweltmeisterschaften in anderen Sportarten. An Frauenmeisterschaften hat es oft viel weniger Fans oder sie sind weniger bekannt. Das Tolle am Rugby ist aber, dass wir nicht zwischen Frauen- und Männerweltmeisterschaften differenzieren. Die Weltmeisterschaften sind für beide Geschlechter. So einfach ist das.

Was sind Vorurteile?

Frauen, die Rugby spielen, seien alles Kampfsüchtige. Zum Glück besteht dieses Vorurteil immer weniger, die Gesellschaft ist viel offener geworden.

Was würdest du dir für den Rugby-Sport wünschen?

Mehr Frauen, die diese Sportart ausprobieren würden, mehr Zuschauer und allgemein mehr Aufmerksamkeit für diese Sportart.