Ciriaco Sforza möchte kein Saisonziel ausgeben, viel mehr möchte der Ex-Nati-Spieler bei seiner jungen Mannschaft von Spiel zu Spiel eine Entwicklung sehen.
1/1 Ciriaco Sforza möchte kein Saisonziel ausgeben, viel mehr möchte der Ex-Nati-Spieler bei seiner jungen Mannschaft von Spiel zu Spiel eine Entwicklung sehen.
01.02.2020 09:00

«Ein Transfer ist wie ein Sieg»

Mit einer knappen Niederlage gegen den FC Vaduz ist der FC Wil am Samstag in die Rückrunde gestartet. Für Trainer Ciriaco Sforza noch lange kein Grund, beunruhigt zu sein.

Ciriaco Sforza, der Auftakt in die Rückrunde ist nicht optimal gelaufen. Gegen Vaduz verlor Ihre Mannschaft am vergangenen Wochenende 2:1. Warum?

Was heisst nicht optimal? Nicht optimal war für mich nur das Resultat. Die Mannschaft hat sehr gut angefangen und genau das umgesetzt, was wir trainiert und diskutiert haben. Das grösste Manko war aber sicher die Chancenauswertung bei den guten Torchancen.

Trotz der Niederlage präsentierten sich die Wiler offensiv sehr gut – was fehlte waren, wie von Ihnen angesprochen, die Tore. Wie schwer wiegt in dieser Beziehung der Abgang von Top-Torjäger Filip Stojilkovic, der zu Sion gewechselt hat?

Ja, Filip hat Tore geschossen und er ist ein Talent. Nun aber hat er die Chance genutzt und hat gewechselt. Das ist positiv für unseren Verein, denn der Wechsel zeigt, wir haben gut gearbeitet. Was ich aber in Vaduz auch gesehen habe, ist, dass wir auch viele andere Spieler haben, die Tore schiessen können, denn ganz ehrlich, Filip hat auch nicht jede Chance genutzt.

Wer soll nun die Tore schiessen, die von Filip Stojilkovic nicht mehr kommen?

Viele. Wir haben eine so offensive Spielart, da kann jeder Spieler Tore schiessen. Talente haben wir in unseren Reihen genug. Die Strategie ist weiter klar: jung, dynamisch und frech.

Wil ist die «Jüngste Challenge-League-Mannschaft aller Zeiten», sind die Jungs bereit, nach dem Abgang von Stojilkovic Verantwortung zu übernehmen?

Filip ist ja auch erst 19 Jahre alt. Er hätte alleine auch nicht so viele Tore geschossen in der Vorrunde, dazu braucht es die ganze Mannschaft.

Dagegen ist etwa Captain Philipp Muntwiler mit seinen 33 Jahren ein echter Routinier. Welche Rolle spielt er bei der Entwicklung der jungen Mannschaft?

Am Anfang eine sehr wichtige, denn viele Spieler, die wir auf diese Saison geholt haben, waren keine Profis. Darum haben wir einen Leader gesucht, der Challenge- sowie auch Super League Erfahrung hat und der auch menschlich gut zur Mannschaft passt. Er macht einen super Job und hilft den jungen Spielern bei der Entwicklung, was ihn irgendwann auch entlastet.

Als Trainer von GC hatten Sie mehrere Routiniers im Kader. Wie ist die Arbeit mit jungen Spielern für Sie?

Ich habe schon bei meinen vier letzten Trainerstationen mit vielen jungen Spielern gearbeitet. Meiner Meinung nach ist das auch unsere Aufgabe in der Schweiz. Schaut man nach Deutschland, Frankreich oder Spanien, machen es die Vereine genau gleich. Wichtig ist aber, als Club langfristig zu planen und Ruhe zu bewahren. Ich selbst wurde ja auch schon mit 16 Profi und weiss daher, was die Jungen brauchen.

Der FC Wil betreibt viel Nachwuchsarbeit, da liegt es auf der Hand, dass in jeder Transferperiode aufstrebende Talente den Verein verlassen. Wie gehen Sie mit diesem Umstand um?

Das ist unser Job. In der Schweiz müssen wir nicht Champions League Sieger werden. Wenn ein Spieler wie Stojilkovic ablösefrei zu uns kommt und den Verein nach drei Monaten wieder verlässt und Nationalspieler wird, haben wir in Wil alles richtig gemacht. Der Verein profitiert finanziell und für mich persönlich ist so ein Abgang ein grosses Kompliment oder sogar wie ein Sieg.

Am kommenden Samstag spielt der FC Wil das erste Rückrunden-Spiel zuhause gegen den tabellenachten FC Lausanne-Ouchy. Was erwarten Sie von diesem Spiel?

Ich erwarte, dass meine Mannschaft am Samstag so mutig und dominant auftritt wie gegen Vaduz. Sollten wir wieder so viele Torchancen haben, erwarte ich sicher eine bessere Verwertung. Man darf Lausanne-Ouchy aber auch nicht unterschätzen, denn technisch sind die Waadtländer sehr gut dabei.

Die Verantwortlichen des FC Wil kämpfen an allen Fronten für mehr Zuschauer. Wie wichtig sind die Fans für die Mannschaft?

Die Unterstützung ist sehr wichtig. Wir wissen aber auch alle, dass der FC Wil keine einfachen Monate und Jahre hinter sich hat. Mit unserer ehrlichen und gezielten Strategie haben wir jetzt aber gezeigt, dass wir langfristig planen. Nun hoffen wir, dass Woche für Woche mehr Fans den Weg ins Stadion finden.

Lui Eigenmann