Jahrelang hat Armin Völkle in Wiler Kindergärten mitgearbeitet. Vorerst ist nun Schluss. Er hofft aber, dass es bald weitergeht. mas
1/1 Jahrelang hat Armin Völkle in Wiler Kindergärten mitgearbeitet. Vorerst ist nun Schluss. Er hofft aber, dass es bald weitergeht. mas
23.03.2020 06:55

Der «Kindergarten-Opa» von Wil muss nach Unruhen pausieren

Armin Völkle arbeitet seit seiner Pensionierung ehrenamtlich in Kindergärten. Für den Senior ist es eine Herzensangelegenheit. Nach den personellen Wechseln im Kindergarten Städeli und den Unruhen dahinter muss er nun aber seine Arbeit pausieren. Doch er hat die Hoffnung nicht aufgegeben.

Wil Armin Völkles Augen strahlen, wenn er von der Arbeit in Kindergärten erzählt. Ein spitzbübischer Ausdruck stiehlt sich auf sein Gesicht. «Für mich ist es einfach etwas Schönes, mit jungen Menschen zu arbeiten», erzählt der Senior. Bis Ende Januar half er an drei Vormittagen pro Woche im Kindergarten Städeli in Wil mit, spielte mit den Kindern Spiele, half beim Basteln oder begleitete die Kinder und ihre Lehrpersonen auf Ausflügen. Dies im Rahmen eines Projektes von Pro Senectute, das ältere Menschen in Schulen und Kindergärten einsetzt, wo sie die Lehrkräfte unterstützen. Seit die langjährigen Kindergärtnerinnen im Städeli auf Ende Januar gekündigt hatten – dies nach Uneinigkeiten mit einigen wenigen Eltern (WN vom 28. Februar 2020: «Kindergärtnerinnen sollen rausgemobbt worden sein») – ist auch für Völkle Schluss. Bis jetzt habe er noch keine Signale von den neuen Lehrkräften erhalten, dass er sein Engagement fortführen könne.

Nach Pensionierung ins «Loch»

Der 79-Jährige hofft, dass er seine Arbeit wieder aufnehmen kann. Schliesslich sei sie eine Herzensangelegenheit. «Es ist einfach schön, besonders wenn ich gemerkt habe, dass sich die Kinder auch auf mich gefreut haben», erzählt Völkle. Seit seiner Pensionierung 2006 hat er in mehreren Kindergärten in der Region mitgearbeitet. Zuvor war er 25 Jahre lang als Religionslehrer tätig. «Als ich pensioniert wurde, hatte ich Mühe, von der Schule wegzugehen. Ein grosse Loch war auf einmal da.» Damals ist er auf das Projekt von Pro Senectute gestossen und hat noch im selben Jahr in einem Kindergarten die Arbeit aufgenommen. «Es hiess damals, es wäre schön, auch mal einen Mann in einem Kindergarten zu haben», sagt Völkle. So landete er zunächst im Kindergarten Thurau im Wiler Lindenhofquartier. Am Anfang sei er durchaus noch etwas skeptisch gewesen, hatte er als Religionslehrer bisher hauptsächlich mit Primarschülern und Teenagern zu tun. «Ich hab mir dann aber gedacht, ich probiere es einfach mal. Es hat mir dann so gut gefallen, dass ich geblieben bin.» Nach einigen Jahren im Kindergarten Thurau kam der Kindergarten Städeli dazu.

Bei Kindern das Basteln gelernt

Entweder hat Völkle klare Aufträge erhalten, was er mit den Kindern machen soll, oder er habe sich einfach bei ihnen dazugesetzt und mitgespielt oder mitgebastelt. «Zeitweise habe ich zum Beispiel einfach immer die Farbstifte gespitzt», erinnert sich Völkle. «Ich war dann irgendwann nur noch als der ‹Oberspitzer› bekannt» erzählt der 79-Jährige und lacht herzhaft. Gerade in Kindergärten mit Kindern aus verschiedenen Kulturen habe er sich wohl gefühlt. «Diese Vielfarbigkeit hat mir immer gut gefallen. Ich konnte einigen Kindern sogar etwas Deutsch beibringen.» Aber auch er selbst habe viel gelernt. Beispielsweise, dass er eine Geschichte einfacher erzählen muss im Kindergarten, als er es als Religionslehrer für Teenager getan hatte. «Oder wie man bastelt. Das haben mir die Kinder gezeigt, darin war ich vorher nie wirklich gut.» Er sei als der «Opa» bekannt gewesen, der gute Laune verbreitet, sagt er. Mit einigen Kindern und deren Eltern hat er bis heute noch Kontakt. Sie würden ihm immer zurufen, wenn sie sich auf der Strasse begegnen, erzählt Völkle, der selbst keine Kinder hat. Von vielen seiner ehemaligen Schützlinge weiss er genau, was aus ihnen geworden ist, wer wo zur Schule gegangen ist oder welche Lehre absolviert hat.

Hoffnung auf Weiterführung

Mit zwölf Kindergärtnerinnen hat Völkle seit 2006 zusammengearbeitet, zuletzt mit den beiden bisherigen im Kindergarten Städeli. Nun legt Völkle vorerst eine Pause ein. Noch weiss er nicht, ob er wieder in den Kindergarten Städeli kann. Da er gerade mit seinem Umzug in eine neue Wohnung ihm selben Quartier beschäftigt ist, kommt im die Pause zwar gut gelegen, er würde aber gerne wieder im Wiler Kindergarten arbeiten oder in einem anderen Hort mithelfen. «Es macht mir einfach Freude.»

Marc Sieger