Michael Angelopoulos in seinem Büro in Erbil.
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Ein Medair-Mitarbeiter im Gespräch mit einem Iraker. Diese Gespräche sind für Angelopoulos Arbeit besonders wichtig.  mas
2/3 Ein Medair-Mitarbeiter im Gespräch mit einem Iraker. Diese Gespräche sind für Angelopoulos Arbeit besonders wichtig. mas
13 Monate war Michael Angelopoulos auf humanitärer Mission im Irak unterwegs.
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26.01.2020 06:55

Bronschhofer unterwegs auf humanitärer Mission im Irak

13 Monate war der Bronschhofer Michael Angelopoulos auf humanitärer Mission im Irak unterwegs. Zurück in Bronschhofen erzählt er von seinen Erlebnissen. Das Land sei immer noch von Konflikten zerrüttet, wie die Iraker damit umgehen, hat auf den Bronschhofer aber grossen Eindruck gemacht.

Bronschhofen «Der Irak hat mich überrascht», erzählt Michael Angelopoulos. Im Westen stelle man sich unter «Irak» Krieg und Wüste vor, «aber Erbil, wo ich stationiert war, ist sehr westlich und modern.» 13 Monate hat Angelopoulos in der nordirakischen Stadt im kurdischen Gebiet verbracht. Für die humanitäre Organisation Medair hat er Nothilfe- und Wiederaufbauprojekte begleitet und analysiert. Seine Aufgabe, einfach erklärt: Herauszufinden, ob die Projekte – beispielsweise der Aufbau und die Unterstützung von Spitälern oder Trinkwasserversorgungen – auch wirklich effektiv sind und wo Verbesserungspotenzial besteht.

Land zerrüttet aber recht sicher

Die Arbeit habe ihm gezeigt, dass die Hilfe immer noch nötig sei, «auch wenn man heute nicht mehr viel über den Bedarf an Unterstützung der Menschen im Irak in den Nachrichten sieht oder darüber liest.» Nach Jahrzehnten der Konflikte sei das Land zerrüttet, viele seiner Bewohner aus der Heimat vertrieben und ganze Stadtteile zerstört. «Den Menschen fehlt das Geld, um ihre Häuser wieder aufzubauen und sie können nicht in ihre Heimatstädte zurück», erzählt Angelopoulos. Während den 13 Monaten, die er im Irak verbracht hat, habe er das Land aber als erstaunlich stabil erlebt. «Man kann sich mehr oder weniger frei bewegen. Es gibt zwar hin und wieder Checkpoints, die waren aber nie ein Problem. Und kein einziges Mal habe ich beim Passieren Korruption oder Bestechung erlebt.» Auch sei die Region im Norden des Iraks vergleichsweise sicher. «Ich habe es lediglich zwei bis drei Mal erlebt, dass unsere Programme auf Grund von Kämpfen oder befürchteter Luftanschläge pausiert werden mussten.» Zwei bis drei Mal sei dabei nicht sehr oft, erklärt Angelopoulos. Im Irak zu arbeiten war ein grosser Traum des Bronschhofers, der zuvor bereits auf humanitärer Mission im Kongo unterwegs war. Schon während dem Politikstudium habe ihn die Region interessiert. «Ich wollte sehen, wie die Leute dort tatsächlich leben».

Berührende Freundlichkeit

Die Erfahrungen, die er im Irak gemacht habe, seien auch berührend gewesen. «Die Iraker sind sehr nette und gastfreundliche Menschen. Praktisch überall, wo ich hingekommen bin, wurde ich etwa zum Tee eingeladen.» Diese Freundlichkeit sei berührend, aber auch erleuchtend, wie der 38-Jährige sagt. «Die Leute besitzen nicht viel und trotzdem hat die Gastfreundschaft einen hohen Stellenwert und die Leute gehen anständig miteinander um.» In der Schweiz, wo die durchschnittliche Bevölkerung so reich sei wie gut fünf Prozent der restlichen Weltbevölkerung, würden hingegen viel kleineren Problemen eine viel zu grosse Bedeutung beigemessen. «Die Zeit im Irak hat mein Bewusstsein dafür geschärft und mich etwas demütig werden lassen.»

«War schwer zu gehen»

Demütig, aber auch wehmütig war er, als er am 18. Dezember zurück in die Schweiz reisen musste. «Es war schwer zu gehen», sagt Angelopoulos. Er stehe noch immer in Kontakt mit Leuten, die er im Irak kennengelernt hatte und könne es sich vorstellen, wieder in den Irak zu reisen. Vorerst lebt Angelopoulos aber wieder in Bronschhofen. Wo es als Nächstes hingehe, wisse er noch nicht. «Afghanistan interessiert mich sehr.» Er sei aber offen dafür, für einige Zeit in der Schweiz zu bleiben. «Ich werde schauen, wo die nächste Türe aufgeht und wo ich anderen Menschen helfen kann.»

Marc Sieger