Wenn es nach der Volksbefragung geht, muss die Schulraumerweiterung beim Sonnenhof in Kirchberg noch warten. mia
1/1 Wenn es nach der Volksbefragung geht, muss die Schulraumerweiterung beim Sonnenhof in Kirchberg noch warten. mia
22.03.2020 06:55

Aufruhr um anonymes Inserat

Die anonyme Gruppe «Pro Gemeinde Kirchberg» sucht in einem Inserat einen neuen Schulratspräsidenten – obwohl dieser nicht abtreten möchte. Die WN haben beim Komitee nachgefragt, wieso es anonym auftritt und bei Betroffenen und Experten, was sie von diesem Vorgehen halten.

Kirchberg Sie sind Vertreter des Komitees «Pro Gemeinde Kirchberg». Weshalb haben Sie dieses gegründet?

Wir wollen, dass die Bevölkerung an den kommenden Gemeindewahlen eine echte Auswahl für das Schulpräsidium hat. Wenn nur eine Person kandidiert, ist das keine Wahl, da man keine Auswahl hat. Momentan sind wir 12 Personen im Kernteam und über 60 Sympathisanten aus der gesamten Gemeinde.

Aus welchem Grund treten Sie anonym auf?

Es geht primär darum, dass zuerst gesucht wird und dass erst danach öffentlich aufgetreten wird. Falls ein Kandidat gefunden werden kann, werden auch Mitglieder der Findungskommission öffentlich auftreten. Während der Findungsphase muss niemand öffentlich Stellung nehmen. Dadurch braucht es keine öffentlichen Stellungnahmen, keine allfälligen Richtigstellungen oder Beantwortungen von Fragen. Das Gremium kann sich auf das Finden von geeigneten Kandidaten konzentrieren.

Sollte die Öffentlichkeit nicht wissen, wer dahinter steckt?

Dass die Öffentlichkeit interessiert ist, ist natürlich und klar. In einer nächsten Phase wird dies dann auch öffentlich werden. Die traurige Geschichte rund um die aktuelle Kirchenproblematik liess das Komitee «Pro Gemeinde Kirchberg» jedoch vorsichtig agieren.

Weshalb wollen Sie einen neuen Schulratspräsidenten?

Jüngste Beispiele sind der komplette Alleingang der Schulbehörde ohne Integration der Bevölkerung oder der Parteien zur Durchsetzung einer neuen Schulorganisation. Es gibt verschiedene weitere Punkte, die wir im Laufe der Kampagne publik machen. Aus unserer Sicht ist vieles, was nicht optimal läuft, vor allem in der Führung der Schulgemeinde zu finden.

Welche Aufgaben werden nicht zufriedenstellend erfüllt?

Es sind ganz unterschiedliche Punkte, die da zusammenkommen, zum Beispiel fragliche Personalführung, mangelhafte Kommunikationspolitik gegen aussen, Fehleinschätzungen der Schülerzahlen über Jahre.

Hatten Sie bereits Kontakt mit dem Schulratspräsidenten?

Nein, ein Austausch ist aber auch nicht notwendig. Wir suchen eine Gegenkandidatur und werden an einem kommenden Podium auf den bisherigen Schulratspräsidenten treffen.

Weshalb suchen Sie zusätzlich auch nach zwei Gemeinderäten?

Wir sind ein parteiunabhängiges Komitee. Bei uns kann sich jede/r melden, die oder der gerne im Gemeinderat mitmachen möchte. Aus unserer Sicht muss man nicht einer Partei angehören, um politisch aktiv zu sein. Ueli Hui und Werner Baumgartner hören auf – daher wollen wir das Feld öffnen, um auch parteifreien Personen die Möglichkeit zu geben.

Was wünschen Sie sich für Kirchberg?

In den letzten vier Jahren wurden verschiedene Themen gut angegangen, aber andere auch überhaupt nicht gut. Die Gemeinde- und Schulbehörden sollen sich für die Bürgerinnen und Bürger und deren Kinder einsetzen, ihre Dienstleistungsbereitschaft wieder aktiv zeigen und als gute Arbeitgeber Vorbild sein.

Haben Sie bereits Bewerbungen erhalten?

Ja, es sind bereits einige Bewerbungen eingegangen. Das Komitee prüft diese nun in den kommenden Wochen und Monaten eingehend. Falls sich das Komitee für einen Kandidaten entscheiden kann, so wird die Öffentlichkeit darüber informiert.

Darina Schweizer

Orlando Simeon, Schulratspräsident

«Grundsätzlich ist es jedem Bürger offen, sich für ein politisches Amt aufstellen zu lassen. Das ist ein demokratisches Recht und damit hat jeder Politiker zu rechnen. Für mich nicht nachvollziehbar ist die Tatsache, dass ein Komitee, welches eine offene Kommunikation proklamiert, anonym auftritt. Dies stellt einen Widerspruch dar. Auch, dass die Gruppierung mich bis heute weder über die Aktion informiert noch kontaktiert hat. Ein weiterer Widerspruch ist, dass sich eine anonyme Gruppierung als 'unabhängige Findungskommission' bezeichnet. Persönlich halte ich wenig von anonymen Aktionen. Wenn Diskussionspunkte bestehen, sollen diese offen kommuniziert werden und die Personen sollten auch dazu stehen. Bei Themen der Öffentlichkeit hat meiner Meinung nach auch die Bevölkerung Anrecht darauf. Ein Versteckspiel ist nicht angebracht. Ich bin gerne bereit, mit dem Komitee den Dialog zu führen, wenn es sich nicht mehr hinter der Anonymität versteckt. Bei den Punkten, die mir vorgeworfen werden, handelt es sich um Pauschalvorwürfe. Die Geschäftsprüfungskommission prüft regelmässig die Geschäfte des Schulrates.»

Roman Habrik, Gemeindepräsident

«Anonymen Aktionen und Briefen wie dem aktuellen Inserat für die Stelle des Schulratspräsidenten sollte man nicht allzu viel Raum geben. Für mich ist es weniger eine rechtliche Frage, sondern eine Frage des Stils. Mir ist nicht bekannt, dass es in Kirchberg schon einmal einen vergleichbaren Fall Roman Habrik, Gemeindepräsident gegeben hat.»

Alexander Gulde, Leiter Amt für Gemeinden

«Das Inserat mag aussergewöhnlich sein, unterscheidet sich aber nicht gross von einem gewöhnlichen Inserat einer Findungskommission. Besonders daran ist jedoch, dass die Findungskommission anonym auftritt und der Schulratspräsident sein Amt nicht in Aussicht gestellt hat. Dem Gemeindegesetz widerspricht es jedoch nicht.»