Dr Wiler Rapper Al Denaro in seinem Studio in Wil. Hier arbeitet er an seiner Musikkariere.
1/2 Dr Wiler Rapper Al Denaro in seinem Studio in Wil. Hier arbeitet er an seiner Musikkariere.
Das Cover von Al Denaros erster EP. IM November ist diese erschienen.
2/2 Das Cover von Al Denaros erster EP. IM November ist diese erschienen.
30.01.2020 06:55

Al Denaro holt mit seiner Musik die Bronx nach Wil

Der Hiphop-Musiker Al Denaro aus Wil will hoch hinaus – und ist auf bestem Weg dahin. Nachdem im November seine erste EP erschienen ist, hat er die vergangenen Monate mit dem bekannten amerikanischen Rapper Torae ein Musikvideo aufgenommen.

Wil Al Denaro sitzt ruhig und beinahe etwas in sich gekehrt in seinem Studio in Wil. Es ist sein erstes Interview. Das erstaunt, wenn man die Musik des 28-Jährigen hört. Al Denaro macht Hiphop, der nach amerikanischer Vorstadt klingt, nach schnellen Autos, Basketball in Hinterhöfen und Neonlichtern im Regen – unaufgeregt, aber mit der grossen Kelle angerührt. Hört man seine Musik und sieht seine Videos, stellt man sich nicht den besonnenen, jungen Mann vor, der nun in seinem Studio im Keller eines Wiler Geschäftshauses sitzt, die Hände verschränkt und von seiner Leidenschaft erzählt.

Mit Hiphop seinen Weg finden

«Ich möchte durch meine Musik so viele Menschen wie möglich mit meiner Message erreichen, um ihnen Motivation und Ansporn zu geben, den Alltag positiv zu meistern», sagt der Rapper. Seine Message, die ist einfach: Nicht aufgeben. In seinen Lieder geht es um die Schwierigkeiten, das Leben zu meistern, von der Suche nach dem eigenen Weg und den Anstrengungen, diesen auch zu gehen. Seinen eigenen Weg hat Al Denaro gefunden. Seit er 14 Jahre alt ist, macht er Musik. Zunächst als Schlagzeuger, später wechselt er ans Mikrofon und schreibt seine eigenen Rap-Songs. «Underground-Hiphop» sei es, was er mache, also nicht moderner Rap mit viel elektronischer Club-Musik unterlegt, den man alltäglich im Radio höre. Die Melodien in Al Denaros Songs sind einfach aber eingängig. Al Denaros Beats sind stampfend, das Schlagzeug treibt die Lieder sachte aber unerbittlich voran. «Ich will Musik machen, die man zum Beispiel gut beim Autofahren hören kann», sagt Al Denaro. Ein Freund habe ihm mal gesagt, seine Musik höre sich an, als ob sie extra für das bekannte Videogame «Grand Theft Auto» geschrieben worden sei, das stark an die amerikanische Hiphop-Kultur angelehnt ist. Mit diesem Underground-Hiphop Erfolg zu haben sei schwierig, sagt Al, «aber es ist nun einmal das, was mir Spass macht.»

Video mit bekanntem US-Rapper

Dass es schwierig, aber nicht unmöglich ist, mit Underground-Hiphop Erfolg zu haben, zeigt Al Denaros Arbeit in Amerika. Nachdem er in der Schweiz seinen Job gekündigt hatte, verbrachte er mehrere Monate in Amerika, um Musik zu machen, sein Englisch etwas aufzubessern und Kontakte zur dortigen Szene zu knüpfen. Dies gelang. Al Denaro konnte vergangenes Jahr mit dem bekannten New Yorker Rapper Torae ein Lied schreiben und ein Musikvideo aufnehmen. «Ich habe Torae oft als Teenager gehört. Mit ihm nun ein Video aufzunehmen hat extrem Spass gemacht und war wunderschön», erzählt Al Denaro und wirkt dabei aufgeregt, aber auch etwas stolz.

«In Amerika wird man motiviert»

Grundsätzlich mache ihm das Musikmachen in Amerika sehr viel Spass, erzählt der 28-Jährige. «Wil und Amerika sind schon sehr unterschiedlich. Gerade wenn man hauptberuflich Musik machen will. Hier heisst es, man solle nicht träumen und sich einen Job suchen, in Amerika helfen und motivieren einen die Leute.» Von der Musik leben zu können, das ist der Traum von Al Denaro. Daher hat er auch seinen Job aufgegeben. «Ich wollte nicht jeden Morgen aufstehen für etwas, das mir nicht gefällt.» Nun arbeitet er mit Hochdruck an seiner Musikkarriere. Im November ist seine erste EP erschienen. Im April soll die nächste Platte folgen – ein Mixtape mit zehn Songs. Dann sind die ersten Konzerte geplant. Auch wenn ein Teil von ihm gerne in Wil bleiben würde, irgendwann möchte er sich auch gerne in Übersee einen Namen machen – mit Liedern, die sich ohnehin bereits nach Amerika anhören. Nach rasanten Autofahrten, schnellem Leben und dem Traum, von ganz unten nach ganz oben an die Spitze zu kommen.

Marc Sieger