Beim Spaziergang mit ihrem Hund kommt Evelyne Engeler Mohn jeden Tag an mehreren stillstehenden Baustellen vorbei. Der Wilerin sind sie ein Dorn im Auge.
1/1 Beim Spaziergang mit ihrem Hund kommt Evelyne Engeler Mohn jeden Tag an mehreren stillstehenden Baustellen vorbei. Der Wilerin sind sie ein Dorn im Auge.
08.02.2020 06:55

Ärger über stillstehende Baustellen – «Es hat nur Ruinen in Wil»

Evelyne Engeler Mohn stört sich wegen stillstehender Baustellen in Wil. Tagtäglich laufe sie an den «Bauruinen» vorbei. Der Architekt eines der Häuser verweist auf das immer noch fehlende Baureglement der Stadt Wil. Wie es bei dieser heisst, ist so schnell keine Lösung in Sicht.

Wil Der tägliche Spaziergang mit ihrem Hund führt Evelyne Engeler Mohn an der Musikschule an der Sonnenhofstrasse vorbei. Gleich gegenüber liegt das Objekt von Engeler Mohns Anstoss – ein Haus, halbfertig, die Baugerüste beginnen teils bereits zu verwittern, Grünspan fängt an sich auf dem Beton abzuzeichnen. «Seit ewig und drei Tagen passiert hier nichts. Alles rostet und überall liegt Bauschutt», regt sich Engeler Mohn auf. Der Anblick störe sie massiv. Und es sei bei weitem nicht die einzige stillstehende Baustelle, der sie beim Gang durch Wil mit dem Hund begegnet. «Wir haben nur Ruinen in Wil. Nichts geht voran». Als weiteres Beispiel nennt sie die Musikschule selbst. «Die Bausubstanz ist so bröcklig, dass man glaubt, es finde ein Konzert auf dem Parkplatz statt, wenn jemand im oberen Stock Flöte spielt.»

Architekt gibt den Ball weiter

Wil, eine Stadt der stillstehenden Baustellen, das sieht auch der Architekt des Hauses an der Sonnenhofstrasse so. Er möchte gerne anonym bleiben, schreibt in einem Statement aber, dass er gerne weiter bauen würde, ihm aber gewissermassen die Hände gebunden seien. Dabei verweist er auf das fehlende Baureglement der Stadt Wil. Dieses liegt seit Jahren auf Eis. 2016 hatte das Wiler Stadtparlament einer Anpassung des Zonenplans und des Baugesetzes zugestimmt, die den Nutzungsplan von 1992 hätten ersetzen sollen. Die Pläne gingen in die Ausarbeitung, drei Jahre später kippte das kantonale Baudepartement den Wiler Zonenplan aber wieder. Nach drei Rekursen hatte ihn das Baudepartement aufgelöst. Mit dem neuen Nutzungsplan lässt die Stadt Wil seither auf sich warten. Für Architekten und Bauherren bedeutet dies, dass sie teils nicht weiter bauen können. So wie es beim besagten Haus an der Sonnenhofstrasse der Fall ist. Thomas Kobler, Leiter Bewilligungen des Wiler Baudepartements erklärt, dass das Grundstück sich in einer Wohnzone für zweigeschossige Gebäude befinden würde, mit der laufenden Revision der Nutzungsplanung aber in eine andere Zone umgezont werden würde. Der Bauherr habe in Erwartung dieser Umzonung die Bauarbeiten an seinem zweigeschossigen Neubau freiwillig eingestellt. Wie der Architekt des Hauses schreibt, sie die Baugenehmigung, die er für den Bau habe, gemäss des Baugesetzes noch gültig. Er bemühe sich nun bei der Wiler Baukommission, diese behalten zu können. Verfalle die Genehmigung, habe er gar keine Möglichkeiten mehr, den Bau zu vollenden. «Was dann mit dem Gebäude passieren würde, weiss ich noch nicht, vermutlich ein unschönes Provisorium.»

Keine Lösung in Sicht

Wann eine neues Baureglement vorliegt und weitergebaut werden kann, das ist nicht abschätzbar. Der Entscheid des Baudepartements des Kanton St.Gallen, den Wiler Zonenplan aufzulösen erfordere nun intensive Gespräche, so Kobler. «Der Ball liegt nun beim Stadtrat, der demnächst über das weitere Vorgehen entscheiden wird». Dieser lässt sich bis anhin nicht in die Karten schauen. Somit verbleibt in Wil vorerst der Status quo, was das Bauen anbelangt. Für Evelyn Engeler Mohn, die tagtäglich an den Baustellen vorbeigeht, unverständlich. «Die Jahre gehen ins Land und Wil zerfällt. Das Kathi, das Rössli, das Landhaus...». Die Liste ist lang.

Marc Sieger