Damian Gahlinger
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Solche Überschwemmungen, wie hier 2015, als der überlaufenden Krebsbach die Autobahn flutete, solle eine Überdeckung verhindern können. z.V.g
2/2 Solche Überschwemmungen, wie hier 2015, als der überlaufenden Krebsbach die Autobahn flutete, solle eine Überdeckung verhindern können. z.V.g
05.02.2020 06:55

Damian Gahlinger, SVP-Kantonsrat aus Niederhelfenschwil, will die Autobahn bei Wil überdecken lassen. Bei Unwetter wurde der Abschnitt immer wieder überflutet. Eine Überdeckung würde das Problem lösen, glaubt Gahlinger. Die St.Galler Kantonsregierung hält von der Idee aber nicht viel.

Wil «Bei den letzten Überschwemmungen sind wir mit einem blauen Auge davon gekommen, da es keine Personenschäden gab», ist Damian Gahlinger überzeugt. 2015 und 2018 wurde der Autobahnabschnitt bei Wil überflutet. Unwetter liessen den Krebsbach über die Ufer treten und haben Unmengen an Wasser und Schlamm auf die Fahrspuren gespült. Künftig könnten Unwetter noch grössere Schäden anrichten, befürchtet Gahlinger. Sein Lösungsvorschlag: Die Autobahn bei Wil überdecken. «So könnte der Krebsbach wenn möglich über die Autobahn fliessen, statt unten durch und hinten wieder hoch. Auch wenn das Überfliessen des Baches nicht umsetzbar wäre, auch dann wäre die Sicherheit für die Autobahn immer gegeben, was ja jetzt nicht der Fall ist.» Eine Autobahnüberdachung als Hochwasserschutz sei nur einer der Vorteile der Überdeckung, sagt Gahlinger. Der SVP-Kantonsrat kämpft schon lange dafür, den Autobahnen im Kanton St.Gallen, wo es geht, Dächer zu verpassen. Grosses Potenzial sieht er zum Beispiel in Wil West, wo derzeit eine neue Industriezone entsteht – mit dazugehörigem Autobahnzubringer. «Würde man diesen unter der Erde durchführen, könne man gut einen Viertel mehr Land gewinnen und der Zersiedelung entgegentreten», glaubt Gahlinger. Zudem könnten grosse Mengen von sauberem Aushub praktisch eingesetzt werden und würden nicht nur irgendwo sinnlos deponiert.

Regierung lehnt Idee ab

Im vergangenen Herbst hat Gahlinger im Kantonsrat einen Vorstoss lanciert. Mit einer Interpellation wollte er von der St.Galler Kantonsregierung wissen, ob sie sich beim Bund für eine Überdeckung der Autobahn bei der Stadt Wil starkmachen könnte. Nun, die Regierung will nicht, wie aus der kürzlichen Antwort auf die Interpellation hervorgeht. Darin schreibt die Regierung: «Eine Autobahnüberdeckung im Bereich der Stadt Wil liegt aus Sicht des Bundes nicht im ursächlichen Interesse der Nationalstrasse. Die Regierung teilt diese grundsätzliche Einschätzung des Bundes.» Ein solches Vorhaben müsse, wenn denn, durch ein Drittprojekt ausgelöst und finanziert werden. Aber auch aus kantonaler Sicht bestehe kein überwiegendes Interesse für eine Überdeckung der Autobahn im Bereich der Stadt Wil. Für Gahlinger ist diese Antwort unverständlich.

«Es ist eine Willensfrage»

«Das zeigt mir, dass die Regierung den Sinn und den Mehrwert einer Überdeckung nicht sehen will.» Die Regierung hätte mindestens beim Astra, dem Bundesamt für Strassen, eine fundierte Meinung einholen können, findet er. «Das ist halt aber alles eine Willensfrage», so Gahlinger. Von einer Überdeckung könnte die ganze Region profitieren, ist er überzeugt. Dies habe zum Beispiel der in St.Gallen beschlossene Olma-Deckel, also die Überdachung der Autobahn bei den Olmahallen gezeigt. «Klar kosten diese Projekte viel Geld», sagt Gahlinger, «aber man gewinnt auch viel – von Ackerland bis zu einem Kinderspielplatz oder Bauland. Ach ja, und viele Lärmschutzwände könnte man auch einsparen.» Auch nach der negativen Antwort und der Abweisung des Geschäfts durch die St.Galler Kantonsregierung, will er sich daher weiterhin für die Überdeckung der Autobahn bei Wil starkmachen. Weitere politische Vorstösse seien zurzeit in der Planung, sagt er.

Marc Sieger